Zukunft der Kirche im Bistum Fulda
Was machen die Synodenteams?
Foto: imago/Wilhelm Mierendorf
Sinnbild für die Weltsynode: Das Volk Gottes ist gemeinsam auf dem Weg.
Wie wollen die Katholiken im Bistum Fulda zusammen Kirche sein? Wie lässt sich der Prozess der Weltsynode auf die Kirche vor Ort übertragen? Was bedeutet synodal? Mit diesen Fragen beschäftigt sich seit Anfang des Jahres das Synodenteam. Es wurde von Bischof Michael Gerber und Generalvikar Martin Stanke berufen. Geleitet wird es von Annette Stechmann, Abteilungsleiterin für Kirchliches Leben im Bischöflichen Generalvikariat. Mitglieder sind Laien, Ordensleute und Kleriker. Solche Teams sind infolge der Weltsynode, die Papst Franziskus einberufen hat, auf allen Kontinenten gegründet worden.
Jetzt hat das Synodenteam der Bistumsleitung, Vertreter und Vertreterinnen der Gremien sowie der Kurienkonferenz erste Ergebnisse vorgestellt. „Synodalität ist für uns, das Synodenteam, ein geistlicher Prozess des gemeinsamen Unterwegsseins – ein Hören auf Gottes Ruf und aufeinander“, erklärt Stechmann. Damit sei es weit mehr als ein organisatorisches Verfahren.
Norbert Zander und Florian Klug sind zwei der Mitglieder. Letzterer ist Ständiger Diakon in St. Flora Künzell und Fachvertreter für Dogmatik und Fundamentaltheologie am Katholisch-Theologischen Seminar Marburg. Zander engagiert sich seit 45 Jahren in kirchlichen Gremien, derzeit auch im Katholikenrat. Er sagt: „Das gegenwärtige Rätesystem hat synodale Ansätze. Manche Erwartungen hinsichtlich der Partizipation bei Entscheidungsprozessen haben sich seit dem Zweiten Vatikanum jedoch noch nicht erfüllt. Anlässlich der Weltsynode entwickeln wir nun einen neuen Ansatz.“
Außenstehende im Blick haben
Zander ist die Frage wichtig: „Wie schaffen wir es, außenstehende Kirchenmitglieder in den Prozess einzubinden, die sich nicht an Gremienwahlen beteiligen oder zur Gottesdienstgemeinde gehören?“ Auch der ökumenische Bezug sollte im Blick behalten werden. Florian Klug denkt, dass die Art und Weise, wie Entscheidungen im Bistum getroffen werden, überdacht wird. Es gehe darum, eine neue Ebene einzufügen, die gegenüber dem Bischof eine beratende Funktion hat. „Pfarrer und Bischöfe sind derzeit sehr gefordert. Es wäre zu überlegen, wie Laien Entscheidungen vorbereiten können“, führt er aus. Erklärend fügt er hinzu, dass Bischöfe als Nachfolger der Apostel Entscheidungskompetenz haben. Priester hätten dieses Amt, die Symbolik und Autorität nicht inne.
Die beiden Katholiken räumen ein, dass der Prozess sich hinzieht und nicht ganz klar ist, was das endgültige Ziel ist. „Es sollen möglichst viele Stimmen gehört werden. Das dauert. Und Synodalität ist kein Hebel, um alle Probleme sofort zu lösen, sondern ein Kulturwandel. Es geht um eine neue Vorstellung davon, Kirche zu sein, von einer Kirche, die die Mitglieder als Volk Gottes ernst nimmt. Das ist nicht sofort greifbar“, sagt Klug. Während des Prozesses müssten auch immer die Ziele der Weltkirche im Blick behalten werden, betont er. Vielfalt und Einheitlichkeit, Neues schaffen und Gutes bewahren, diese Eigenschaften der Weltsynode machten die Arbeit komplex. Der Theologe weist darauf hin, dass der Begriff Synodalität selbst nicht im Zweiten Vatikanum verwendet wurde. Aber Bausteine, die nun bei der Weltsynode wichtig sind, seien in der Zeit bereits thematisiert worden: die Würde jedes einzelnen Menschen oder verschiedene Formen der Liturgie.
Freude an der Arbeit im Team
Norbert Zander und Florian Klug haben Freude an ihrer Aufgabe im Synodenteam. „Wir sind als wanderndes Volk Gottes unter seiner Führung auf dem Weg zum himmlischen Jerusalem. Dazu suchen wir jetzt hier im Bistum Fulda den richtigen Weg. Wir wissen nicht, wie Kirche in Zukunft aussehen wird. Das ist sehr spannend“, sagt er. Zander erklärt: „Ich finde die Arbeit im Synodenteam sehr gewinnbringend. Es sind sehr diverse Stimmen aus verschiedenen Bereichen der Kirche vertreten. Wir gehen wertschätzend miteinander um. Die Bistumsleitung stärkt uns den Rücken.“
Teamleiterin Annette Stechmann war im Herbst in Rom beim Treffen der Synodalteams anlässlich des Heiligen Jahres. Es kamen etwa 2000 Teilnehmende von allen Kontinenten. „Die Tage waren sehr berührend. Wir haben von unseren sehr unterschiedlichen Erfahrungen berichtet und uns dazu ausgetauscht, wie eine hörende Kirche aussehen kann.“ Über den Papst sagt sie: „Er hörte gut zu, war sehr nahbar und wertschätzend. Gleichzeitig war er sehr klar in seinen Aussagen.“
Einige Punkte hat sie nun mit nach Fulda genommen. Wichtig sei die Gleichzeitigkeit von Einheit und Vielfalt. Das heißt, es darf in der Weltkirche unterschiedliche Wege geben, führt Stechmann aus. Auch gehörten Synodalität und Versöhnung zusammen. „Wir müssen die Polaritäten, die Tatsache, dass es unterschiedliche Positionen in der Kirche gibt, sehen und respektieren. Synodalität ist das Gegenteil von Selbstgefälligkeit. Wir müssen aufeinander und auf Gott hören. Das gelingt uns schon sehr gut. Wir reden im Bistum sehr offen miteinander.“
Stechmann hat einen großen Wunsch: „Ich hoffe, dass wir die Herzen aller Katholiken im Bistum für diesen gemeinsamen Weg gewinnen“, sagt sie. Am14. März wird es eine synodale Versammlung im Bistum geben. Bei dieser besprechen die Teilnehmenden den weiteren Prozess im Bistum Fulda.
Synodaler Weg
Der Begriff Synodaler Weg bezeichnet das Reformprojekt der katholischen Kirche, das durch die deutschen Bischöfe im Frühjahr 2019 angestoßen wurde. Anlass dafür war die sogenannte MHG-Studie („Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz“) aus dem Jahr 2018. Dieser Weg wurde Ende November beendet. Ein Ergebnis ist die Einrichtung einer Synodalkonferenz, ein bundesweites Gremium. In ihm sollen Laienvertreter und Bischöfe gemeinsam „beraten und Beschlüsse fassen“. Er soll im November 2027 das erste Mal tagen. Der Vatikan muss der Satzung noch zustimmen.