72-Stunden-Aktion: Die Welt ein bisschen besser machen

„Wir sind Kirche“

Image
72 Stunden Aktion
Nachweis

Foto: DPSG / Rohrbach Carsten

Caption

Sie schaffen was und es macht auch noch Spaß: Zwei Frauen genießen die 72-Stunden-Aktion.

Vom 18. bis 21. April versuchen mehr als 100 000 junge Menschen in Deutschland,die Welt ein Stückchen besser zu machen. Bei der 72-Stunden-Aktion der katholischen Jugendverbände renovieren sie Kindergärten, bauen Insektenhotels, helfen Alten oder klären über Rechtsextremismus auf. Der BDKJ-Bundesvorsitzende Gregor Podschun erklärt, was diese christliche Anpackermentalität bewirkt.

 

Was ist für Sie der Kern der 72-Stunden-Aktion?

Bei dieser Aktion engagieren sich junge Menschen für andere Menschen. Sie tun nicht was für sich selbst, sondern sie gehen raus in die Welt und packen an, wo Unterstützung benötigt wird. So machen sie deutlich, dass christlicher Glaube bedeutet: Wir können nicht nur darauf vertrauen, dass alles gut wird. Wir müssen daran mitarbeiten, dass das Reich Gottes schon jetzt auf der Erde anbricht.

Was bewirkt diese christliche Anpackermentalität?

Die Menschen, die bei der 72-Stunden-Aktion mitmachen, wollen, dass die Welt ein besserer, gerechterer, klimafreundlicherer Ort wird, mit einem stärkeren Zusammenhalt. Und sie alle setzen mit der Aktion ein Signal und zeigen: Junge Menschen sind nicht faul, wie ihnen oft unterstellt wird. Sie haben große Freude daran, Herausforderungen anzunehmen und sich für andere einzusetzen. Sie wissen, unsere Gesellschaft kann nur funktionieren, wenn wir genau das tun. Viele von ihnen engagieren sich in den christlichen Jugendverbänden tagtäglich – bei der 72-Stunden-Aktion wird ihre Kraft nun noch mal gebündelt.

Suchen alle Gruppen sich ihre Projekte selbst aus?

Die meisten schon, ja. Sie schauen in ihrem Umfeld: Was könnten wir tun? Wem könnten wir helfen? Welcher Kooperationspartner könnte uns unterstützen? Einige Gruppen lassen sich auch ein Überraschungsprojekt zuweisen. So kennen sie die Kooperationspartner und die Aufgabe vorher nicht. Das gibt einigen noch mal einen besonderen Kick. 

Bekannt geworden ist die 72-Stunden-Aktion durch ihre Bauprojekte. Die sind heute nicht mehr alles, oder?

Bauprojekte sind der Klassiker, das stimmt. Nach wie vor wird bei vielen Projekten etwas umgebaut, gestaltet, aufgehübscht – in Altenheimen, in Kindergärten oder Einrichtungen für Menschen mit Behinderung. Es gibt aber auch immer mehr soziale Projekte. Das fördern wir, um die Aktion vielfältiger zu machen. 

Gregor Podschun
Gregor Podschun. Foto: BDKJ-Bundesstelle / Christian Schnaubelt 

Welche neuen Projekte sind zum Beispiel dazugekommen? 

Einige Gruppen unterstützen ältere Menschen bei Erledigungen im Internet. Andere bereiten zusammen mit den Menschen ein Fest vor. Oder machen in den drei Tagen schöne Ausflüge mit ihnen und kommen dabei mit ihnen ins Gespräch. Das ist sehr wertvoll. Oft bleiben die Kontakte, die während der Aktion geknüpft werden, danach erhalten. 

Welche Projekte gibt es noch?

Es gab mal eine Gruppe, die hat eine Obdachlosenunterkunft eröffnet. In diesem Jahr wird es auch mehrere Projekte zur Demokratiestärkung geben, die ja gerade sehr wichtig sind, da rechtsextreme Kräfte die Demokratie gefährden. Einige Gruppen organisieren Gesprächsveranstaltungen in Jugendtreffs, andere informieren über die Europawahl. Mit Misereor zusammen fördern wir auch Projekte, die Klimagerechtigkeit stärken. Die Gruppen pflanzen nicht nur Bäume oder bauen Insektenhotels. Sie helfen auch, Gebäude energetisch zu sanieren oder PV-Anlagen aufzubauen. 

Was machen sie da konkret? Sie sind ja keine Profihandwerker.

Natürlich sind die Jugendlichen keine Profis. Aber sie packen mit an, wo sie können. Und unterstützen Handwerksbetriebe, von denen sie dann angeleitet werden. Davon profitieren sie auch selbst. Und viele Gruppen haben durchaus handwerkliche Expertise. In der Katholischen Landjugendbewegung zum Beispiel engagieren sich viele junge Menschen, die täglich mit Baumaschinen hantieren. Die kennen sich aus. 

Was bewirkt es, dass die Leute am Ende der Aktion einen sicht- oder spürbaren Erfolg sehen?

Das motiviert sie enorm. Sie merken: Ich hab was geschafft, es hat Spaß gemacht, es war erfolgreich – und ich hab Kontakte geknüpft, die ich nutzen kann. Wir wollen, dass junge Menschen entdecken, wie wertvoll sie für die Gesellschaft sind. Und das funktioniert!

Wie wirkt die Aktion in die Gesellschaft hinein?

Was wir wissen, ist: Die Aktion ist mittlerweile eine Marke. Vielleicht wissen nicht alle Menschen, dass sie vom BDKJ ist. Aber viele wissen, wofür die Aktion steht. 2019, beim letzten Mal, haben wir es in die Tagesschau geschafft und sogar den Medienpreis Bambi gewonnen. Da waren wir schon sehr, sehr deutlich und weit sichtbar – und haben so hoffentlich ganz viele Menschen dazu gebracht, sich mit dem Anliegen der Aktion zu beschäftigen. 

Und was bewirkt die Aktion innerkirchlich?

Wir erfahren große Unterstützung von den Diözesen. Weil die es schätzen, dass die Aktion eine sehr positive Seite von Kirche zeigt. Bei der 72-Stunden-Aktion ist die Kirche durch junge Menschen und ihren Einsatz für andere in den Schlagzeilen – und nicht schon wieder durch Missbrauchsfälle. Wir wollen mit der Aktion niemanden missionieren und dazu bringen, katholisch zu werden. Wir wollen einfach nur Gutes tun. Und damit zeigen: Wir sind Kirche. 

Zur Person 
Gregor Podschun ist aufgewachsen in Königs Wusterhausen und war von 2015 bis 2020 ehrenamtlicher Diözesanvorsitzender des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) Berlin. Seit 2020 ist er hauptamtlicher Bundesvorsitzender des BDKJ. 

Andreas Lesch