Ausländische Katholiken in Deutschland

Geliebte Weihnachtstraditionen

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Weihnachtsoblaten
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Foto: imago/Dreamstime

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Polnischer Brauch: Weihnachtsoblaten zum Teilen

Welche Weihnachtsbräuche pflegen ausländische Katholiken in Deutschland? Und was bedeuten sie ihnen? Eine syrische, eine ukrainische und eine deutsch-polnische Familie erzählen.


Herzlichkeit in der Hand

Martin Müller feiert Weihnachten mit deutschen und polnischen Bräuchen. Von seiner Frau, die aus Polen stammt, hat er das Teilen der Weihnachtsoblaten kennengelernt. Ein Ritual, das die Leipziger Familie nun seit über zehn Jahren pflegt.  

Für Müller ist das „eine superschöne Tradition“, wie er sagt. Sie zeige ihm, dass man miteinander verbunden ist. Jedes Familienmitglied hat dabei eine handgroße, rechteckige Oblate in der Hand, in die ein Weihnachtsmotiv geprägt ist, zum Beispiel das Jesuskind in der Krippe oder die Engel. Mit dieser Oblate geht man am Heiligen Abend der Reihe nach auf alle Familienmitglieder zu. Das Gegenüber bricht sich ein Stück von der Oblate ab. „Dabei sagt man der Person, was man ihr wünscht, wofür man ihr dankt oder warum man sich freut, mit ihr zusammen zu sein“, erklärt Müller. 

Er mag „diese familiäre Herzlichkeit“, wie er sagt. „Man überlegt sich schon vorher, was dem anderen wichtig ist und was man ihm für das nächste Jahr mitgeben oder wünschen kann.“ Manchmal feiert die Familie Weihnachten bei den Schwiegereltern in Polen. Dann bereitet sich Müller auch sprachlich darauf vor und sucht „die richtigen Wörter heraus, um alles gut auf Polnisch sagen zu können“.

Nach dem Oblatenteilen beginnt das Wichtigste und Schönste für Müller. Bei YouTube hat sich die Familie eine ganze Reihe polnischer und deutscher Weihnachtslieder zum Mitsingen zusammengestellt. Auf dem Tisch stehen zwölf fleischlose Speisen – es ist ja noch Fastentag. Bei Essen, Liedern und Geschenken sitzt die Familie beieinander, bis alle zusammen in die Christmette gehen.

// Barbara Dreiling


Essen in bestickten Hemden

Ukrainer in Tracht
Familie Kovalchuk in traditioneller Tracht. Foto: privat

Familie Kovalchuk feiert Weihnachten auch in München ukrainisch. „Wir legen ein bisschen Heu unter die Tischdecke“, erzählt Vater Dmytro. Es soll daran erinnern, dass Jesus in einer Krippe geboren wurde. Er, seine Frau Nataliia und ihre vier Kinder tragen beim Weihnachtsessen die traditionelle ukrainische Tracht. „Wir setzen uns in bestickten Hemden an den Tisch. Sie heißen Wyschywanka“, erläutert Nataliia Kovalchuk. Auf dem Tisch stehen Fastenspeisen. „All diese Gerichte habe ich früher mit meiner Mama und meiner Oma gemacht“, erinnert sich Nataliia Kovalchuk. „Wenn ich diese Gerichte zubereite, erlebe ich meine Kindheit.“ 

An den Weihnachtstagen telefonieren die Kovalchuks mit Verwandten oder besuchen Freunde. „Bei jedem Besuch singen wir Weihnachtslieder, die Koladky, bevor wir ins Haus gehen, und sagen einen guten Wunsch, die Winschuwannja“, beschreibt der Familienvater diesen Brauch. Am 25. Dezember besuchen die Kovalchuks den griechisch-katholischen Weihnachtsgottesdienst. „Die Messe begleitet der Kathedralchor, in dem ich seit neun Jahren mitsingen darf“, berichtet Dmytro. „Eine sehr alte Tradition bei uns ist auch das Krippenspiel“, ergänzt er. Anders als in deutschen Gemeinden ziehen die Darsteller von Haus zu Haus. „Einmal besuchen wir auch unseren Bischof“, sagt Nataliia, die dabei die Ukraine spielt.

Warum sie all diese Bräuche hier in Deutschland pflegen? „Damit verbinden wir uns mit unseren Traditionen und mit unserer Familie“, antwortet Dmytro Kovalchuk. Die Eheleute möchten die ukrainischen Weihnachtsbräuche auch an ihre Kinder weitergeben, damit sie diese „genauso lieben wie wir“.

// Karin Hammermaier


Gespräche in großer Runde

Weihnachten ist für Mey Ghassali, wenn alle zusammenkommen: die eigene Familie, die Verwandten, die weit weg wohnen, die Gemeinde. Die 26-Jährige ist syrisch-orthodoxe Christin und lebt in Leipzig. Den Heiligabend verbringt sie mit ihren Eltern und Geschwistern. „Wir machen ein schönes Abendessen und lassen das ganze Jahr Revue passieren. Dann entstehen immer sehr lange, schöne Gespräche. Man erzählt sich, wofür man dankbar ist, was man sich vornimmt für nächstes Jahr“, sagt Ghassali.

Baklava
Syrischer Brauch: hausgemachtes Baklava, ein köstlich-süßes Gebäck. Foto: imago/zoonar/Nehru Suleimanovski

An den Weihnachtstagen gibt es verschiedene Treffen. „Zum Beispiel gibt es Mittagessen bei der einen Tante, und zum Kaffee gehen wir zu der anderen Tante“, erzählt Ghassali. In diesem Jahr kommen auch ihre Verwandten aus Kanada. „Da freuen wir uns alle drauf. Wie oft hat man die Möglichkeit, dass alle beieinander sind?“

Dann ist da noch die Gemeinde. Am 25. Dezember gehen die Ghassalis in den syrisch-orthodoxen Weihnachtsgottesdienst in der St. Severus-Kirche im Leipziger Osten. Die Gottesdienstsprache ist das traditionelle Syrisch der christlichen Minderheit in Syrien. Viele Gemeindemitglieder sprechen aber neben Deutsch auch Arabisch wie Ghassali. Besonders schön findet sie, dass das Vaterunser im Gottesdienst auf Aramäisch gesprochen wird, also in der Sprache Jesu. Nach dem Gottesdienst organisieren die Gemeindemitglieder ein Fest, für das jeder etwas mitbringt. „Dann gibt es verschiedene Speisen und Getränke und für die Kinder bringt der Weihnachtsmann Geschenke“, erzählt Ghassali. „Man kann ausgelassen feiern, es ist einfach schön.“

// Barbara Dreiling