„Weihnachten fürs Volk“ in Leipzig
Mit allen Sinnen Gott nahe bringen
Foto: Ruth Weinhold-Heße
Falkmar Ratzmann, Annett Schödl und Josefa Tiefensee bereiten „Weihnachten fürs Volk“ mit vielen Ehrenamtlichen vor.
Die Vorbereitungen laufen auf hohen Touren: Das Festtagsessen ist bestellt (Gans ganz klassisch mit Klößen), Geschenke werden verpackt, Kinderbetreuung wird organisiert. „Aus der gesamten Stadtgesellschaft in Leipzig kommen Ehrenamtliche und unterstützen „Weihnachten fürs Volk“. „Es ist überhaupt kein Problem, Leute zu finden, die mitmachen wollen“, sagt Annett Schödl, Diakonin in der evangelischen Andreaskirchgemeinde. Rund 80 Menschen gehören zum Kreis der Freiwilligen. „Dabei sind auch Menschen, die keinen kirchlichen Hintergrund haben, es ist ein schönes, offenes Miteinander.“
Josefa Tiefensee ist auch dabei. Die Katholikin erzählt: „Im Sommer 2023 habe ich danach gegoogelt, was man an Weihnachten in Leipzig Gutes tun kann. So bin ich zu ‚Weihnachten fürs Volk‘ gekommen.“ Dass das Projekt zusammen von der evangelisch-lutherischen Andreasgemeinde und dem Verein „Pavillon der Hoffnung“ durchgeführt wird, war für sie nebensächlich: Die Idee, Bedürftigen, Flüchtlingen oder Einsamen ein schönes Fest zu bereiten, stand für sie im Mittelpunkt. „Weihnachten ist für mich Familie und Heiligabend kommen viele Familien her. Die meisten freuen sich, dass sie hier von jemandem gesehen werden. Es ist toll, das zu erleben. Und wir Mitarbeiter sind alle ein Team, das für eine Sache brennt; es gibt selbst Kinder, die seit Jahren dabei helfen. Das ist für mich auch Familie“, sagt sie. Seit Heiligabend 2023 steht statt der heiligen Messe in der Propsteigemeinde ein buntes Gewusel auf ihrem Programm: An rund 500 Menschen Essen ausschenken und Kinder betreuen. Im letzten Jahr waren es so viele, dass rund 150 Menschen gar nicht in das Gebäude auf dem alten Messegelände hineinpassten. Vorher treffen sich die Mitarbeiter zwei Mal zum Geschenkepacken. „Das ist Fließbandarbeit“, erzählt Josefa Tiefensee.
Diakonin Schödl erläutert den Rahmen des jahrelangen Projektes: „Wir starten als Christen bewusst mit einem niedrigschwelligen Gottesdienst. Aber wir wollen Gott mit allen Sinnen den Menschen nahe bringen, also auch mit einem guten Essen. Am Ende gibt es in einem Segnungszelt die Möglichkeit, für sich beten zu lassen.“ Bei dem kleinen Geschenk liegt eine Karte mit einem besinnlichen Spruch dabei, auch Herrnhuter Losungsbücher dürfen alle mitnehmen, die es möchten. Besonders begeistert erzählt Annett Schödl von der Tischgemeinsachft, die sich „sonst nicht so eng zusammen setzen würde“.
Falkmar Ratzmann ist Projektleiter von „Weihnachten fürs Volk“, Mitglied der Andreasgemeinde und im Vorstand des Vereins „Pavillon der Hoffnung“. Er erinnert sich noch an die kleinen Anfänge im Gemeindehaus vor über 20 Jahren. Das Besondere an der Aktion sei, dass so grundverschiedene Menschen zusammenkommen und sich austauschen, im letzten Jahr sei es sehr international zugegangen. „Das zeigt, dass Gottes Liebe für alle da ist und Grenzen überwunden werden“, sagt er. Ratzmann versucht, Geschäftsleute für das Projekt zu begeistern, das sich aus Spenden finanziert und in diesem Jahr auch von der sächsischen Landeskirche unterstützt wird. Für die insgesamt 25 000 Euro, die Essen und Geschenke „fürs Volk“ kosten, werden aber auch immer Einzelspender gesucht.