Schwerpunkt: Kircheneintritt im Erwachsenenalter

Das späte, sehr bewusste "Ja zu Gott"

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Erwachsenentaufe
Nachweis

Foto: kna/Corinne Simon

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Immer mehr Menschen in Deutschland lassen sich erst als Erwachsene taufen oder treten in die katholische Kirche ein.

Warum lassen sich Erwachsene taufen oder treten in die Kirche ein – und wie bereichert sie diese Entscheidung? Wir haben fünf von ihnen gefragt. Sie erzählen von Sinnsuche und Lebensfragen, von Glaubensgewissheiten und der Kraft der Gemeinschaft. Von Andreas Kaiser


» Das hat mich nicht mehr losgelassen « 

Für den Akademiker Riccardo Wagner war das Christentum mit „seinen intellektuellen Hürden“ wie etwa der Jungfrauengeburt und der Wiederauferstehung der Toten lange Zeit seines Lebens „die absurdeste aller Religionen“. Und doch ist der Hochschuldozent aus Brühl in der Osternacht 2024 in die katholische Kirche eingetreten. In der Kölner Kirche Sankt Andreas ließ er sich taufen und firmen und nahm die Erstkommunion entgegen.

Riccardo Wagner mit seiner Taufkerze
Riccardo Wagner. Foto: Conny Ewen / Fides Köln

Geboren wurde Wagner in Gera, aufgewachsen ist er in Altenburg. 1989 sind seine Eltern zusammen mit ihm, kurz vor der Wende, aus der DDR nach Hamburg ausgereist. Obwohl seine Mutter getaufte Christin war, spielte der Glaube in seiner Kindheit keine Rolle. Trotzdem interessierte sich Wagner bereits als Jugendlicher für Philosophie und Spiritualität. Vor allem die großen Fragen des Lebens beschäftigten ihn. Er befasste sich mit fernöstlichen Weltanschauungen: „Aber so richtig befriedigt und direkt angesprochen hat mich das nicht.“ 

Wagner war in seinem Leben schon vieles. Er war bei der Bundeswehr, hat Bankkaufmann gelernt und berufsbegleitend Geschichte, Politik, Literaturwissenschaft und Unternehmenskommunikation studiert. Er hat als Finanz- und Wirtschaftsjournalist gearbeitet. Heute ist er Professor für Nachhaltiges Management und Kommunikation an der Fresenius-Hochschule in Köln.

Als 2011 sein Sohn geboren wurde, gewannen die Fragen nach „Sinn und Orientierung – was gebe ich meinem Kind mit auf den Weg?“ für ihn neu an Zugkraft: „Das Vatersein hat mich sehr geprägt.“ Zudem keimte in ihm der Gedanke auf: „Genau wie ich selbst ja wollte, dass mein Sohn lebt, könnte auch ein Schöpfer aus Liebe uns Menschen auf dieser Welt gewollt haben.“ Doch so ganz überzeugt war der Kopfmensch damit noch nicht.

„Was gebe ich meinem Kind mit auf den Weg?"

Erst 2014 kam es zur Initialzündung, wie Wagner sagt. Bei einer Tagung von Wirtschaftsethikern in einem Frankfurter Exerzitienhaus stieß er auf das Buch „Reifes Leben“ des Franziskaners Richard Rohr. Darin der Satz: „Wir müssen Gott nicht suchen, Gott macht sich auf den Weg zu uns.“ Diese Worte ergriffen Wagner. Von da an beschäftigte er sich intensiv mit dem Christentum. Gut zehn Jahre lang. 

„Manchmal habe ich mich eingeschlossen und nur noch gelesen und Videos geguckt. Meine Frau weiß, ich steigere mich gerne mal in Sachen hinein“, sagt Wagner und lacht. Insgesamt las er gut 200 Bücher, unter anderem die Bibel, den Katechismus der katholischen Kirche sowie das Kompendium der Soziallehre. „Das alles hat mich fasziniert und nicht mehr losgelassen“, sagt er. Vor allem der „Dialog der göttlichen Vorsehung“ von Katharina von Siena beeindruckte ihn. Ihm wurde klar: Das Christentum, das ihn „zugleich irritierte und faszinierte“, würde er fortan nicht mehr loslassen können.

Doch Wagner ahnte, allein über den Intellekt würde das Christsein nicht gelingen. Er fing an, sich „mit der Gebetskultur zu beschäftigen“. Irgendwann hielt er einen Rosenkranz in den Händen. „Das war der entscheidende Moment, in dem auch das Herz dazukam. Ich bin ein eher haptischer Mensch.“ Auch in der Familie schlägt Wagners Leidenschaft inzwischen Wellen. Im vergangenen Jahr ließ sich sein Sohn taufen. In diesem Jahr möchte seine Frau, bisher eine Protestantin, zum katholischen Glauben übertreten. „Ästhetisch hat uns die katholische Kirche und ihre Liturgie schon immer viel mehr angezogen als die evangelische“, sagt Wagner.

Taufe Riccordo Wagner
Die Taufe von Riccardo Wagner in Köln. Foto: Conny Ewen/Fides Köln


» Ich habe das Du gebraucht « 

Dreißig Jahre lang war Jutta Ach konfessionslos, bis sie ein inneres Erlebnis hatte. „Das war am 19. Mai 2023“, sagt sie. „Bei der Beerdigung eines Freundes. Schon das Requiem hat mich total beeindruckt. Vielleicht auch, weil der Priester wie ich ein Bayer war.“ Als sie später am Grab stand, erfüllte sie eine „tiefe Gewissheit“. Mit allen Fasern spürte sie: „Das, was der Priester gerade gesagt hat, ist die Wahrheit. Der Tod ist nicht das Ende.“ In den Stunden danach erlebte die heute 60-jährige Frau „eine große Ruhe, ein Friedensgefühl, fast so, als wäre ich in Watte gepackt“. Knapp ein Jahr später trat sie in die katholische Kirche ein.

Geboren wurde Ach in Gerolzhofen, rund 20 Kilometer von der Abtei Münsterschwarzach entfernt. Dort wurde sie auch getauft und gefirmt. In die Kirche ging sie als Mädchen meist mit den Großeltern. Die Gottesdienste fand sie allerdings oft langweilig. Während des Studiums der Betriebswirtschaftslehre in Nürnberg diffundierte Achs christlicher Glaube zusehends. 1994 zog sie nach Berlin. Als sie ihre erste Gehaltsabrechnung bekam, trat die Diplomkauffrau nach einem Blick auf die erhobene Kirchensteuer aus der Kirche aus.

Jutta Ach
Jutta Ach in ihrer Berliner Altbauwohnung. Foto: Andreas Kaiser

Spirituell blieb Ach zwar interessiert, beschäftigte sich allerdings mehr mit fernöstlichen Erfahrungswegen. Nach einem Burnout erlernte sie die buddhistische Achtsamkeitsmeditation und machte Yoga. „Nur wenn ich gebetet habe, habe ich weiter zu einem christlichen Gott gebetet“, sagt Ach. Im Gegensatz zum Buddhismus, in dem es keinen persönlichen Gott gibt, habe sie „das Du gebraucht. Das war ich aus meiner Kindheit so gewohnt.“ Auch Bücher von Anselm Grün las sie gelegentlich noch. Aber eine Rückkehr in die Kirche lag ihr fern.

„Ich habe jetzt etwas, auf das ich total freue.“ 

Das änderte sich erst nach dem Beerdigungserlebnis. Auf einmal verschlang Ach christliche Bücher, hörte sich religiöse Beiträge auf YouTube an und beschäftigte sich mit der Kirchengeschichte. „Trotzdem wollte ich zunächst nicht zu den Katholiken zurück“, sagt sie. In ihrer Kindheitskirche hätten vor allem die Themen Schuld und Sünde dominiert. Werte wie Liebe und Vergebung wurden dort kaum vermittelt. So besuchte Ach zunächst eine freikirchliche Gemeinde in der Umgebung. Dort jedoch fühlte sie sich bald „etwas bedrängt“, sagt sie. Auch habe sie das Sakrament der Eucharistie vermisst: „Das gibt es nur in der katholischen Kirche.“

Ihren Wiedereintritt 2024 in die katholische Kirche hielt Ach mit dem Priester, der sie betreute, „bewusst schlank“. Einen Glaubenskurs musste sie nicht belegen. Dennoch tat sie es, „auch weil ich damals schon nach Gemeinschaft suchte“. Inzwischen hat Ach auch diese gefunden. In ihre Gemeinde Sankt Matthias am Winterfeldtplatz geht sie gut dreimal pro Woche. Zudem macht sie bei der von einem Jesuitenpater gegründeten Gemeinschaft Monte Crucis Exerzitien im Alltag und besuchte verschiedene Einkehrtage.

Ihr heutiges Leben beschreibt die alleinstehende Frau als glücklich. Auch mit der Institution hat sie bisher nicht einmal gehadert. Das Ganze sei für sie vergleichbar mit einer Freundschaft, sagt Ach: „Auch da muss nicht immer alles passen.“ Sie betont: „Die Rückkehr in die katholische Kirche war die beste Entscheidung meines Lebens, eine große Bereicherung. Ich habe jetzt etwas, auf das ich mich jedes Mal total freue.“ Auf die Frage, worauf genau, antwortet sie ohne Zögern: „Den Sonntagsgottesdienst, die Kirchenfeste, Wallfahrten, die Exerzitien, die Gemeinschaft.“


» Ich kann nicht alles verstehen « 

Beim Video-Interview steht Thomas Rümmler mit einem großen, gut sichtbaren Brustkreuz vor seinem höhenverstellbaren Schreibtisch. „Ich stehe sehr zu meinem Glauben“, sagt er. Vor gut sechs Jahren hat sich der 43-Jährige aus dem bayerischen Ort Postbauer-Heng taufen lassen. Inzwischen ist er in der katholischen Kirche mehr als nur gut angekommen. „Ich bin wahrscheinlich ein sozial kompatibler Mensch“, sagt er und lacht. 

Rümmler engagiert sich ehrenamtlich. In der Corona-Pandemie brachte der IT-Projektmanager mit anderen Gemeindemitgliedern die Übertragungen der Gottesdienste ins Internet auf den Weg. Zudem ist er Mitglied in der 20-köpfigen Band „Kirchenwecker“. Er spielt Klavier, Gitarre sowie Akkordeon und singt Tenor – „je nachdem, was gerade gebraucht wird“. Auch mehrere Pilgerreisen hat er unternommen, nach Israel und Jordanien und auf den Jakobsweg. In Zypern ging er den Spuren von Paulus nach. 

Thomas Rümmler
Engagiert sich unter anderem als Kirchenmusiker in seiner Gemeinde: Thomas Rümmler. Foto: privat

An den Tag seines Kircheneintritts im Jahr 2020 erinnert sich Rümmler gern zurück. „Das hat sich so angefühlt, als ob Gott den ganzen Tag begleitet und zum Strahlen gebracht hätte“, sagt er. „Auch habe ich mich von der Gemeinschaft getragen und sehr gut aufgenommen gefühlt. So herzlich, wie ich das vorher nie erwartet hätte.“ Die einjährige Zeit der Vorbereitung mit zahlreichen Gesprächen und Erklärungen der Rituale sowie der Liturgie der katholischen Kirche bezeichnet Rümmler als intensiv. Ein alteingesessenes Gemeindemitglied kommentierte den Aufwand, den erwachsene Täuflinge betreiben müssen, damals mit den Worten: „Mein Gott, bin ich froh, dass ich schon als kleiner Bub getauft worden bin.“

Aufgewachsen ist Rümmler im Erzgebirge. Seine Eltern waren zwar getauft, sind jedoch, wie in der DDR üblich, recht bald aus der Kirche ausgetreten. Die aus Ungarn stammenden Großeltern hingegen blieben zeitlebens gläubig, sie waren „streng katholisch“, wie Rümmler sagt. Wahrscheinlich legte das bei ihm den ersten Samen.

„Warum lebe ich? Was ist meine Aufgabe?“ 

Bereits als Jugendlicher hat Rümmler immer mal wieder Gottesdienste besucht. Obwohl er schon damals dachte, es müsse mehr geben, als die Naturwissenschaften erklären könnten, verlor er das Thema Religion wieder aus den Augen. Erst als seine Kinder geboren wurden, stellten sich ihm die großen Lebensfragen: „Warum, wohin, wieso lebe ich? Was ist meine Aufgabe?“ Um dem auf die Spur zu kommen, begann Rümmler, Literatur über das Christentum zu lesen. Nach und nach gewann er den Eindruck, eine stärkere Hinwendung zum Glauben könnte genau „das Puzzlestück sein, das meinem Leben noch fehlt“. Also sprach er den lokalen Pfarrer an.

Bei dem folgenden Taufvorbereitungskurs ist bei ihm zwar „kein Blitz in den Baum eingeschlagen wie bei Martin Luther“. Einen besonderen Moment aber erlebte er auch: „Das war, als ich erkannte, dass ich nicht alles verstehen kann, dass der Glaube letztlich auch ein großes Geheimnis ist.“

Zweifel an seinem Weg hat Rümmler nie gehabt. Auch mit der Institution Kirche hadert er nicht, obgleich er nicht all ihre Einstellungen teilt, etwa die zur Rolle der Frau. „Doch für mich steht die Beziehung zu Jesus klar im Vordergrund. Außerdem ist meine Gemeinde einfach großartig“, sagt Rümmler. Letztlich müsse sich jeder Gläubige fragen: „Wende ich mich ab oder gestalte ich mit?“ Er hat seine Entscheidung getroffen.


» Ich fand Stille und Ruhe « 

Die Reise von Marion Renjewski zum christlichen Glauben hat einen ungewöhnlichen Startpunkt. Vor zehn Jahren offenbarte ihr der jüngste Sohn Felix, dass er sich taufen lassen möchte. „Das musste verarbeitet werden“, sagt die 69-jährige Berlinerin. Im Gespräch merkt man ihr heute noch an, wie sehr die Mitteilung sie damals überrascht hat: „Katholisch war für mich abseits des Denkbaren. Ebenso gut hätte mir mein Sohn erzählen können, dass er Astronaut werden möchte.“

Um diese Aussage verstehen zu können, lohnt sich ein Blick zurück. Geboren wurde Renjewski 1957 im Erzgebirge. „Ich bin als Heidenkind in dritter Generation ohne Gott aufgewachsen. Der Glaube hat in meinem Leben keine Rolle gespielt“, sagt sie. In der DDR sozialisiert, sei sie einst „überzeugte Sozialistin“ gewesen. Entsprechend habe sie ihre drei Kinder erzogen.

Marion Renjewski
Sie engagiert sich in ihrer Gemeinde: Marion Renjewski - hier bei ihrer Rede während der Segensfeier zu ihrem Kircheneintritt. Foto: Frank Vetter

Um den Kircheneintritt ihres Sohnes verstehen zu können, sprach sie viel mit ihm. Zudem schaute sie sich Fernsehgottesdienste an. Nach einer Weile „schlich ich mich dann selbst in die Kirche. Das kam mir am Anfang vor, als ginge ich zu etwas sehr Geheimem.“ Vorsichtig, etwas ängstlich, aber vor allem skeptisch setzte sie sich in der kleinen katholischen Gemeinde in Berlin-Buch in die letzte Reihe. Obwohl sie sich fremd fühlte, beeindruckten sie Predigten und Bibelstellen: „Gerade wenn es um Frieden ging. Dass dieser Frieden immer erst im Kleinen beginnen muss, bevor er sich ausweitet, das war auch immer meine Überzeugung.“ Sie spürte, „dass es mehr geben muss zwischen Himmel und Erde, als ich bisher ahnte“. Die Wissenschaft könne ja längst nicht alles erklären – vor allem nicht die unendlich vielen komplexen Zusammenhänge, die es in der Natur gibt, sagt Renjewski.

„Was ich am meisten liebe, ist der Friedensgruß.“

Auch die Taufe ihres Sohnes, der seit einigen Jahren in Bayern lebt, berührte sie: „Eine wunderschöne barocke Kirche. Der Pfarrer rund und gemütlich. Das war wie in einem bayrischen Heimatfilm.“ Um die Abläufe im Gottesdienst besser verstehen zu können, schenkte ihr Felix ein Gotteslob. Außerdem gab er ihr die „365 Bibelgeschichten“ von Elmar Gruber zu lesen. „Ein sehr schönes Vorlesebuch für Kinder über die wesentlichen Bibelinhalte“, sagt sie. Nach und nach wuchs bei ihr der Gedanke, das Christentum könnte auch etwas für sie sein.

Renjewski ging zur Klärung ihrer Idee für eine Woche in ein Kloster. Dabei suchte sie sich „bewusst eine Gemeinschaft aus, die kein Gästehaus und Entspannungsmöglichkeiten hatte“. Auch Handy, Tablet und Belletristik ließ sie zu Hause. Sie wollte sich nur auf das Gebet und einzelne Gespräche konzentrieren. Die Provinzleiterin der Schwestern zum Heiligen Kreuz in Altötting nahm sich täglich eine Stunde Zeit für sie. „Das hat mir unheimlich geholfen“, sagt Renjewski. In Berlin zurück, belegte sie einen Glaubenskurs bei einem Jesuitenpater. Auch das Stundenbuch „Magnificat“ las sie fortan: „Ich begann, morgens, am Nachmittag und abends zu beten, und es tat mir gut. Ich fand Stille und innere Ruhe, es gab mir Kraft und Optimismus.“

Die Zeit vor ihrer Taufe war schwierig

Die Zeit vor ihrer Taufe in der Osternacht 2023 beschreibt sie dennoch als schwierig. In ihrem Umfeld konnte, bis auf die Familie ihres bayerischen Sohnes, niemand ihre Hinwendung zum Glauben nachvollziehen. Sie selbst aber fühlte sich immer wohler in der Kirche. Von den christlichen Festen hat sie heute „ein völlig neues Verständnis“, wie sie sagt. „Die Stille am Karfreitag, der Auferstehungsgottesdienst an Ostern in der zunächst dunklen Kirche, dann das viele Licht und der Jubel“ – das alles beeindruckt Renjewski. 

Seit einiger Zeit geht sie dreimal wöchentlich zur Messe. Sie ist in der Gemeinde aktiv und betreut Senioren bei Gottesdiensten in einem Pflegeheim. Außerdem arbeitet sie stundenweise für die Katholische Glaubensinformation und begleitet nun selbst Tauf- und Firmkurse. Im vergangenen Jahr war sie das erste Mal als Pilgerin in Rom. Im Herbst möchte sie nach Assisi. Auch Exerzitien sind geplant.

Als großes Glück empfindet Renjewski, dass ihre Gemeinde in Buch sie so gut aufgenommen hat. Längst fühlt sie sich in der Kirche nicht mehr fremd: „Was ich beim Gottesdienst am meisten liebe, ist der Friedensgruß.“


» Ich spüre eine tiefe Dankbarkeit « 

Philipp Teschke hat sich Zeit gelassen. Obwohl er als Jugendlicher auf das katholische Canisius-Kolleg in Berlin gegangen ist, hat er im Alter von 16 Jahren – im Gegensatz zu seinen Klassenkameraden – bewusst auf das Sakrament der Firmung verzichtet. „Das fühlte sich damals für mich falsch an. Und nur wegen ein paar Geldgeschenken wollte ich das nicht tun“, sagt er. Abseits der Schule hatte er als Heranwachsender „kein Interesse am Christentum“. Zur Kirche ging er bestenfalls an Weihnachten. Und doch hat sich Teschke Anfang 2026 firmen lassen – als Bestätigung eines Glaubens, der erst in den vergangenen Jahren reifte.

Philipp Teschke, Firmung
Philipp Teschke bei seiner Firmung. Foto: privat

Aufgewachsen ist Teschke in Berlin. Obwohl seine Mutter katholisch ist, wurde er evangelisch getauft: „Wahrscheinlich, weil eine Tante von mir Pastorin ist.“ Als er zehn Jahre alt war, konvertierte sein Vater von der evangelischen zur katholischen Kirche – Teschke und seine Schwester ebenfalls. Groß gefragt wurden die Kinder nicht. Doch es bot sich an. Sie gingen damals allesamt auf katholische Schulen. Kirche und Religion waren insofern für Teschke zwar präsent: „Aber ich hatte kein wirkliches spirituelles Interesse.“

 „Wegen ein paar Geschenken wollte ich das nicht.“

Das änderte sich erst, als er zufällig ein paar neue geistliche Lieder hörte. Die Musik hat „eine Freude am Glauben ausgestrahlt, die ich vorher in der Kirche so nie erlebt habe“, sagt der 22-Jährige, der seit rund dreieinhalb Jahren in Münster lebt und in Dortmund Architektur studiert. 

Teschke begann, abends regelmäßig zu beten, und machte einen Tagesrückblick, wie sie auch die Jesuiten empfehlen. Nach dem abendlichen Ritual, das er stets mit dem Vaterunser abschließt, fühlt er sich verbunden mit einer „höheren Macht“, wie er sagt: „Das erdet mich.“ Er begann, regelmäßiger in die Kirche zu gehen. In der Katholischen Studierenden- und Hochschulgemeinde fand er ein passendes Umfeld.

Hier engagiert er sich bis heute. Beim wöchentlichen „Meat and Eat“ kocht er gelegentlich und lässt seine eigenen Rezepte einfließen. Mit der Gemeinschaft war er auch in Taizé. Freundschaften sind entstanden. Teschke sagt: „Ich spüre eine tiefe Dankbarkeit für mein Umfeld, die Menschen, all das, wo ich gerade bin.“

Andreas Kaiser