Fernsehfilm über Lourdes und Medjugorje

„Du bist voll der Fan-Boy!“

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Film "Holy Mary"
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Foto: BR/Tobias Henkenhaf

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Dominic und seine Töchter besuchen Lourdes.

Dominic und seine jugendlichen Töchter pilgern mit dem Familien-Van nach Lourdes. Die Studentin Lea besucht ein Jugendfestival in Medjugorje. Ein Film fragt: Was bedeuten ihnen und Millionen anderen Pilgern die Marienerscheinungen? Sind sie echt? Und: Ist das wichtig?

„Wenn ihr da jetzt hingeht und die Steine anfasst, dann seid euch bewusst: Da war Maria auf der Erde.“ Familienvater Dominic hat seine Töchter Marie und Carlotta mitgenommen nach Lourdes. Hier will er ihnen nahebringen, was ihm selbst so viel bedeutet: die Marienerscheinungen. „Mir ist auch klar, dass das ein bisschen crazy ist, daran zu glauben“, sagt er offen. „Aber ich kann ja auch nix dafür.“ 

Dominics Frau ist nicht eingestiegen in den Familien-Van. „Wir haben da ein Arrangement gefunden“, sagt sie. „Dominic macht Urlaub in Wallfahrtsorten, mit mir machen die Kinder andere Dinge.“ Zum Beispiel Fußballstadien besuchen. Der FC Schalke 04 steht ganz oben auf der Familien-Agenda, und auch Dominic ist da gerne dabei. Denn eigentlich ist Dominic ein ganz normaler Typ, der an Marienerscheinungen glaubt. „Das kann einem Leben Sinn geben“, sagt er und setzt hinzu: „So wie Fußball auch.“

Für Dominic ist diese Reise etwas Besonderes. Weil seine Kinder dabei sind und weil sein letzter Besuch lange zurückliegt. „27 Jahre war ich nicht mehr dort“, sagt er und fängt an, im Van den Rosenkranz zu beten. Als sie nach 13 Stunden Fahrt die Mariengrotte sehen, kommen ihm die Tränen. „Ultrapeinlich“ finden das die Töchter: „Du bist ja voll der Fan-Boy!“

Der zweite Drehort des Films ist Medjugorje. Die 25-jährige Mathematikstudentin Lea reist zu einem Jugendfestival dorthin – ein Mangel an logischem Denkvermögen kann nicht der Grund sein. Die Atmosphäre überwältige sie, sagt sie, die Zehntausenden jungen Leute verschiedener Nationalitäten, die gemeinsam beten und singen. „Die Gemeinschaft trägt“, sagt sie und spricht vom Frieden und der Freude und davon, „tief berührt“ zu sein. Man nimmt es ihr ab.

Sehr einseitige Expertin

Der Bayerische Rundfunk zeigt die Dokumentation „Holy Mary“ zum Beginn des Marienmonats Mai. Sie ist der zweite Teil der neuen Religionsreihe „Holy Days“; der erste ließ den Schauspieler Oliver Mommsen das „Rätsel von Ostern“ lösen. Dieser Film begleitet aber nicht nur konkrete Menschen; er fragt anhand historischer Aufnahmen auch nach Geschichte und Bedeutung der Wallfahrtsorte Lourdes und Medjugorje, wie die katholische Kirche zu ihnen steht und wie sie versucht, die Echtheit der Erscheinungen zu prüfen.

Als einzige Expertin kommt die österreichische Religionswissenschaftlerin und Psychologin Nicole Bauer zu Wort, die sich, wie sie sagt, wissenschaftlich „mit Besessenheit, Dämonenvorstellungen und dem Glauben an Wunder“ befasst, und in diesem Zusammenhang „auch auf Marienerscheinungen gestoßen“ ist. Allein mit diesem Satz ist ein Deutungsrahmen vorgegeben. Dass sie die Orte aus dem Blickwinkel der „Marketingstrategie“ und „geschickter Schachzüge“ betrachtet, ist da nur folgerichtig. Genauso wie die Tatsache, dass ihr sofort spiritueller Missbrauch einfällt.

Hilfreich wäre es gewesen, mindestens ergänzend zu ihr jemanden mit theologischer Expertise vor die Kamera zu holen, der oder die vielleicht etwas kritisch-distanziert ist, aber mit dem nötigen Respekt für die Anliegen der Pilger das Phänomen hätte einordnen können. Denn das Anliegen von Lea ist genauso ehrenwert wie das von Dominic. Er möchte seinen Töchtern etwas mitgeben, das sie in den Stürmen des Lebens stärken kann. Ein fester Glaube kann so etwas sein. Die nächtliche Prozession in Lourdes zu erleben, kann durchaus dazu beitragen. Genauso wie das Vertrauen der Kranken, Heilung oder zumindest neue Kraft zu finden. Dominic jedenfalls hat das so erlebt. Und seine Töchter auch.

 

Susanne Haverkamp

Holy Mary – Wer glaubt an Marienerscheinungen? Am Freitag, 1. Mai, um 9.15 Uhr im BR und bereits ab 28. April in der ARD-Mediathek