"Wo der Himmel die Erde berührt" von Wolfgang Krinninger

Ein Buch über das Gute in der Welt

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Wolfgang Krinninger
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Foto: privat

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Er kennt viele Welten: Wolfgang Krinninger

Wolfgang Krinninger erzählt in seinem Buch „Wo der Himmel die Erde berührt“ wunderbar warmherzige Geschichten aus seinem Alltag. Er zeigt, wie viel Gutes es auf der Welt schon gibt – und wie jeder Mensch sie noch besser machen kann.

Was für ein Sofa! Kein durchgestyltes, cooles Designerstück sei es gewesen, so erzählt Wolfgang Krinninger, im Gegenteil: „Rot und gemütlich war es, mit dicken Polstern rundherum und so riesig, dass es in zwei Teilen geliefert wurde.“ Seine Kinder bauten daraus Höhlen und kurierten darauf Krankheiten aus, Hunde und Katzen fühlten sich wohl, seine Frau und er ruhten sich aus. „Unser Riesensofa war Spielplatz, Tierheim, Fußballstadion, Krankenlager und Himmelbett zugleich.“ Als es abgeholt wurde, alt und verschlissen, war Krinninger nicht da: „Bestimmt war es sauschwer beim Raustragen. Voller Erinnerungen, voller Leben, seelenvoll.“

Krinninger (60), Journalist und Chefredakteur des Passauer Bistumsblattes, ist ein brillanter Beobachter. Er sieht, was andere übersehen. Er spürt, was anderen entgeht. Und macht sich Gedanken dazu. In seinem bezaubernden Buch „Wo der Himmel die Erde berührt“ versammelt er Anekdoten aus seinem Leben und zeigt durch Geschichten wie die mit dem Sofa, dass auch kleine Dinge einen großen Wert haben können.

Das Buch begeistert mit seinem warmherzigen Ton und seiner unerschütterlichen Menschenfreundlichkeit. Mal lässt es einen lachen, mal weinen. Stets gibt es Hoffnung. Weil Krinninger konstruktiv denkt. Er sieht das Schlechte in der großen Welt – und konzentriert sich gerade deshalb auf das Gute im Kleinen.

„Mama, Du weißt, ich baue auf Dich“

So erzählt er von einer Frau, die zum Erste-Hilfe-Kurs will und keinen Parkplatz findet. Sie fragt zwei ältere Damen an einer Bushaltestelle um Rat. Eine von ihnen bietet ihr an, dass sie ihre Garage nutzen kann. Menschen wie sie sind für Krinninger „Boten der Lebensfreude“. Er betont, dass es solche Boten überall gibt.

Der Autor nennt sein Buch eine „Liebeserklärung an das Leben“, und diese Liebe prägt jede Zeile. Etwa, als er berichtet, wie er die Ferien mit seinen vier Kindern immer genossen hat: „Ich durfte mit ihnen Quatsch machen, trösten, mit ihnen über Basketball, Terror, Autos und Freundschaft reden. Und ich durfte ihnen zuhören – beim WhatsAppen, Musizieren, Spielen am Weiher.“ Diese Leichtigkeit vermisst er jetzt: „Vielleicht nehmen wir Erziehung heute zu ernst. Vielleicht ersticken wir diese Leichtigkeit mit unserem Bestreben, das Beste herauszuholen – die beste Schule, das klügste Spielzeug, das durchgeplanteste Freizeitprogramm.“

In Krinningers Buch findet alles Platz: Leichtes und Schweres, Freude und Trauer, Liebe und Tod. So erzählt er, dass seine Mutter eineinhalb Jahre vor der Geburt seines ältesten Kindes gestorben ist. Und dass er ihr Grab fast nie ohne eine kindliche Bitte verlässt: „Mama, Du weißt, ich baue auf Dich! Schau auf unsere Kinder!“

Sein wacher Blick rührt wohl auch daher, dass er viele Welten kennt: Krinninger ist Familienmensch und Journalist, Bergradler und Katholik, Motorradfahrer und Bauernhof-Besitzer. Und er ist dankbar: für seine Frau und seine Kinder, für sein Leben, für Momente in der Natur. Für den Wohlstand, den er genießt.

Seine christliche Haltung schimmert immer durch. Er klagt: „An manchen Tagen macht mich die geistige Verrohung in diesem Land fassungslos.“ Aber er fügt an, jeder Mensch könne helfen, Schlechtes zu bessern: „Mit jeder Entschuldigung, mit jedem mäßigenden Wort, mit jedem gefundenen Kompromiss, mit jedem Lächeln, mit jeder Ermunterung, mit jeder ausgestreckten Hand wird die Welt wieder ein wenig heller, schöner, menschlicher.“ Krinninger betont: „Wir dürfen nicht aufhören, an das Wahre, Gute und Schöne zu glauben. Wir müssen uns mit allem, was wir haben, dafür einsetzen. Als Christen, als Eltern, als Menschen.“ Was für ein Appell! Da sitzt jedes Wort – und keins

Seine christliche Haltung schimmert immer durch. Er klagt: „An manchen Tagen macht mich die geistige Verrohung in diesem Land fassungslos.“ Aber er fügt an, jeder Mensch könne helfen, Schlechtes zu bessern: „Mit jeder Entschuldigung, mit jedem mäßigenden Wort, mit jedem gefundenen Kompromiss, mit jedem Lächeln, mit jeder Ermunterung, mit jeder ausgestreckten Hand wird die Welt wieder ein wenig heller, schöner, menschlicher.“ Krinninger betont: „Wir dürfen nicht aufhören, an das Wahre, Gute und Schöne zu glauben. Wir müssen uns mit allem, was wir haben, dafür einsetzen. Als Christen, als Eltern, als Menschen.“ Was für ein Appell! Da sitzt jedes Wort – und keins ist zu viel.

Andreas Lesch

Wolfgang Krinninger: 
Wo der Himmel die Erde berührt – Begegnungen mit dem Wesentlichen. 
Verlag am Eschbach, 144 Seiten, 16 Euro