Eine kurze Auszeit nehmen

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Mann mit Gitarre in Kirche
Nachweis

Foto: Marco Chwalek

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Dr. Thomas Kroll freut sich auf Urlauber, die für eine kleine Andacht in die Kirche St. Christophorus in Westerland kommen.

Die Tourismuspastoral ist in den Urlaubsregionen ein wichtiger Faktor. Doch was kommt gut an und was weniger gut? Der für Tourismusseelsorge zuständige Dr. Thomas Kroll hat in Westerland auf Sylt gerade kleine Formate ausprobiert.

Ob „Morgenlob mit Sommerlied“ um 10 Uhr oder „Ein Lied, ein Gebet“ um 12 Uhr: Dr. Thomas Kroll von der „Fachstelle Experimentelle Wege der Pastoral und Tourismusseelsorge“ des Erzbistums bot dieser Tage in St. Christophorus in Westerland auf Sylt einiges für Touristen an und stellte diese Angebote gleich auf den Prüfstand: „Ich bin hier unterwegs, um Erfahrungen zu sammeln, um Menschen zu begegnen und Orte kennenzulernen“, erzählt er am Rande der beiden Veranstaltungsformate, die jeweils nur etwa zehn Minuten dauerten. 

Die Orte und Bedingungen kennenlernen, schauen, was an der Basis los ist und ob die Angebote der Tourismusseelsorge auch „Hand und Fuß haben“, darum geht es ihm bei solchen Besuchen vor Ort. „Dem Erzbischof ist Tourismuspastoral sehr wichtig und einen entsprechenden Stellenwert hat sie noch nicht im Erzbistum“, erläutert er. Da wolle er hinschauen, was gut und was weniger gut läuft, wo vielleicht nur die Bedingungen ein bisschen verändert werden müssen oder wo Angebote vielleicht auch mal nicht funktionieren. 

Sein Ziel ist es, dass die Besucher aus dem Rest der Republik am Ende ihres Urlaubs sagen: „Die sind aber toll drauf da oben, da ist ja richtig was los für und mit uns“, so Kroll. Wenn die Gäste sich dann darüber freuen, eine gute Gelegenheit zum Beten erwischt zu haben oder auch an einem schönen Gottesdienst oder einer ergiebigen Gesprächsrunde teilgenommen haben, um sich selbst und Gott ein Stück näherzukommen, dann hat er sein Ziel erreicht.

Er hatte sich die schöne Kirche St. Christophorus ausgesucht, die nur wenige Gehminuten vom Strand entfernt liegt. „Die Kirche selbst ist ein Kleinod. Sie ist wie ein Schiff, das zum Strand will“, findet Kroll. Ihm ist wichtig, dass die Angebote – die den Gottesdienst nicht ersetzen sollen –, kurz und knapp sind. „Das kann schon reichen, damit die Menschen genügend Stoff haben, über den sie im Laufe des Tages weiter nachdenken können.“ Die Menschen anrühren und bewegen, viel mehr will er gar nicht.

Dass das klappt, belegen Aussagen der Besucher, die teils zufällig, teils auch aufgrund der Werbung vor Ort in die Kirche kamen. „Ich bin gestern angekommen und mache das immer als erstes, mich zu bedanken, dass ich eine Reise machen darf, und für meine Lieben, die nicht mehr bei mir sind, Kerzen anzünde –, das ist so mein Weg“, sagt etwa Petra, die aus der Nähe von Düsseldorf kommt. „Gott hat mich immer wieder begleitet in meiner schweren Phase und begleitet mich auch heute immer wieder, und das ist mir ganz, ganz wichtig“, erzählt sie.

Johanna und Konrad aus Schwerte bei Dortmund sind zum zweiten Mal in der Kirche. Schon der erste Besuch am Sonntag sei sehr schön gewesen. „Das hat Spaß gemacht, war sehr sinnlich und nachdenklich, und das haben wir gern gemacht“, berichten sie.

Eine Lübeckerin, die es nicht ganz so weit nach Sylt hat, meint: „Ich war gestern schon hier und ich fand die Idee toll, eine Atempause zwischendurch zu haben.“ Das findet auch Ulrich aus Müns­ter: „Es ist ein kleiner, guter Impuls, um den Tag für mich erst einmal zu starten.“ Auch wenn die Aussagen der Besucher vielleicht noch nicht repräsentativ sind – manchmal reicht offenbar schon eine kleine Auszeit, um im Urlaub auf ganz neue Gedanken zu kommen.

Marco Heinen und Marco Chwalek