Bistumszeitung im Wandel
Osnabrücker Kirchenbote wird 100 Jahre alt
Foto: Katrin Kolkmeyer
Konferenz: Bevor die Seiten des Kirchenboten in den Druck gehen, werden sie von den Redaktionsmitgliedern noch einmal begutachtet.
Die erste Titelseite kam ohne Foto aus. Am 3. Januar 1926 – vor genau 100 Jahren – hielten Leserinnen und Leser eine Neuheit in den Händen: den Kirchenboten für das Bistum Osnabrück. Ganz vorne, gesetzt in altdeutscher Schrift, ein besinnlicher Text zum neuen Jahr: „Vergiß, wieviel dir Plag’ und Pein das alte Jahr beschieden“, heißt es da. Gefolgt von einer Besinnung über den „heiligen Namen Jesu“, mit dem stets ein neues Jahr beginne. Erbauliches für das Gottesvolk. 14.000 Stück betrug die Auflage. Im Bistum lebten damals knapp 240.000 Katholiken, weitere gut 160.000 in den angeschlossenen „Norddeutschen Missionen“ (Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg), wo eigene Blätter vertrieben werden; sie gehen später im Kirchenboten auf.
Zäsur am 25. Mai 1941 – der vorerst letzte Kirchenbote erscheint. Aus angeblich „kriegswirtschaftlichen Gründen“ untersagt die Reichspressekammer der Nazis mehreren hundert konfessionellen und bürgerlichen Zeitungen jeden Papierbezug und -verbrauch. Mit Erlaubnis der britischen Militärregierung darf der Kirchenbote im März 1946 wieder erscheinen – wegen Papiermangels nur alle zwei Wochen, mit vier oder acht Seiten. Nicht jeder, der die Zeitung haben möchte, bekommt sie auch – es können nicht genügend Exemplare gedruckt werden. Für Abonnenten gibt es sogar eine Warteliste.
In Spitzenzeiten eine Auflage von 72.000 Exemplaren
Die 1960er Jahre sind die Blütezeit der konfessionellen Presse. Bis zu 72.000 Kirchenboten-Exemplare werden gedruckt, für mehrere Regionen gibt es jeweils eigene Seiten. 1982 steigt der Kirchenbote in die bereits bestehende Kooperation der Kirchenzeitungen von Hildesheim, Paderborn und West-Berlin ein. Ein Meilenstein in der Geschichte der Kirchenpresse. Später wird diese kurz „Koop“ genannte Zusammenarbeit immer mehr erweitert. Überregionale Seiten der in Osnabrück ansässigen Verlagsgruppe Bistumspresse erscheinen heute auch in den Kirchenzeitungen der Bistümer Hamburg, Magdeburg, Erfurt, Görlitz, Dresden-Meissen, Mainz, Limburg, Fulda, Würzburg, München, Eichstätt und Speyer; auch die Bistumszeitungen von Aachen und Münster werden beliefert.
Der Kirchenbote erscheint heute in einer 14-täglichen Ausgabe der norddeutschen Kirchenprovinz. Zusammen mit der Hildesheimer KirchenZeitung und der Hamburger Neuen KirchenZeitung kommt der „Kibo“ so auf rund 15 600 Exemplare und erreicht damit bis zu 40 000 Leserinnen und Leser. Damit ging eine inhaltliche Verschiebung von nachträglicher Ereignisberichterstattung hin zu hintergründigen und spirituellen Hilfen für ein gelingendes Leben einher. Daneben haben sich der Social-Media-Bereich und eine Homepage etabliert (aussicht.online). Aus dem Kirchenboten hat sich im Laufe der Jahre das Medienhaus des Bistums Osnabrück entwickelt, zu dem sieben Firmen an vier Standorten mit rund 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gehören. Sie produzieren Medien, bieten IT- und Telekommunikationsleistungen, Reisen und Bücher an.
100 gute Taten aus dem Medienhaus
Damit das Jubiläum keine Eintagsfliege bleibt, sondern nachhaltig wirkt, haben sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Medienhauses zu einer außergewöhnlichen Aktion entschlossen: 100 gute Taten wollen sie im Laufe des Jahres tun. Vom sozialen Einsatz in einem Altenheim über Naturschutzmaßnahmen bis hin zu ganz persönlichen Dingen, zum Beispiel Teilnahme an einer Blutspendeaktion. Einrichtungen und Institutionen aus dem Bistum Osnabrück können Vorschläge machen – per E-Mail an marketing@kirchenbote.de
Am Samstag, 13. Juni, feiert der Kirchenbote den 100. Geburtstag. Um 11 Uhr zelebriert Bischof Dominicus im Dom eine Messe, anschließend herrscht buntes Treiben auf dem Domhof. Hier gibt es mehr Einzelheiten zu den 100 guten Taten und zur Geschichte des Kirchenboten.
Matthias Petersen/Anja Sabel