Ostergottesdienst für Kinder

„Wo ist Jesus jetzt?“

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Ostergottesdienst für Kinder
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Die Osternacht ist nicht nur für Kinder, sie wird auch von Kindern mitgestaltet.

Zu Weihnachten gibt es für Familien viele Angebote: Andachten, Krippenfeiern, besondere Gottesdienste. Dass es zu Ostern wenig Vergleichbares gibt, fand eine Gemeindein Baden-Württemberg nicht gut. Und erfand kurzerhand eine Osternacht für Kinder.

„Ich bin mir sicher, dass die Feier auch in diesem Jahr wieder gut besucht sein wird“, sagt Sven van Meegen, leitender Pfarrer der Seelsorgeeinheit Ellwangen. Seit der Corona-Zeit gibt es sie. Damals entwickelte er mit einem Team aus pastoralen Mitarbeitern, Eltern und Jugendlichen das Konzept einer Osternacht für Kinder, damit auch Familien etwas haben, das das Fest kindgerecht und zugleich eindrucksvoll erklärt.

Entscheidend für die Feier ist: Die Familien sitzen nicht einfach in den Kirchenbänken, lauschen den Texten und singen die Lieder. „Sie sind ein Teil des Gottesdienstes. Wir machen uns gemeinsam auf den Weg“, sagt van Meegen. Sie beginnt – wie die Liturgie für Erwachsene – draußen am Osterfeuer. „Allerdings nicht am späten Abend oder am frühen Morgen, sondern am Karsamstag um 17 Uhr.“ Am Feuer segnet van Meegen die Kinder-Osterkerze, die das ganze Jahr lang in den Kindergottesdiensten brennen wird. Und er erklärt den Kindern, warum sie ein Feuer entzünden: „Ostern hat wahnsinnig viel mit Licht zu tun: vom Dunkel ins Helle, von der Trauer zum Glück, vom Tod ins Leben.“

» Kinder haben so gute Ideen, so feine Antennen für das Unsichtbare. «

Dann geht es in die Kirche, auf die Orgelempore. Dort steht ein Kreuz, an dem ein weißes Leinentuch hängt. „Unser Golgota“, sagt van Meegen. „Aber Jesus ist nicht mehr hier. Nur noch sein Tuch oder seine Fesseln, die zerschnitten am Boden liegen.“ Er erzählt den Kindern von den Frauen, die zum Grab Jesu kamen, und vom Engel, der ihnen sagte, sie sollten den Lebenden nicht bei den Toten suchen: „Dann spreche ich mit den Kindern: Jesus ist nicht mehr da. Ja, wo ist er jetzt?“ 

Ostergottesdienst für Konder
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Van Meegen erzählt, einige würden dann sagen, dass Jesus lebt. Oder dass er im Himmel sei, so wie die Oma, die gestorben ist. „Wenn ich dann frage, ob der Himmel nicht auch ein bisschen auf der Erde ist, sagen die Kinder: Klar, Jesus ist an unserer Seite.“ Dieses Gespräch sei enorm wichtig. „Kinder haben so gute Ideen, so feine Antennen für das Unsichtbare, für Gefühle – für all das, was uns als Erwachsenen verloren geht.“ 

Oft kommen 50 bis 60 Kinder mit ihren Eltern oder Großeltern zu der Osterfeier. Wenn alle die Orgelempore verlassen sollen, um sich am Taufstein wiederzutreffen, lässt der Pfarrer sie selbst entscheiden, wie sie gehen wollen: „Es gibt ganz unterschiedliche Wege. Die Familien können den Mittelgang durch die Kirche nehmen oder an den Außenseiten entlanggehen.“ Schließlich haben auch die Jünger nach Jesu Tod unterschiedliche Wege gewählt: Die einen liefen weg, andere versteckten sich, wieder andere gingen nach Emmaus. 

Der Wechsel der Orte sorgt auch dafür, dass die Kinder konzentriert blieben. „Kein Kind in dem Alter schafft es, eine Stunde stillzusitzen und alles aufzunehmen“, sagt van Meegen. Er beobachtet, dass die Kinder an den Stationen aufmerksamer sind – und die Zeit zwischen den Stationen nutzen, um untereinander oder mit ihren Eltern über das Gehörte zu sprechen: „Sie fragen dann zum Beispiel ihre Eltern: Sehe ich die Oma auch mal wieder?“ 

Die Osterkörbe sind der Renner

Nach der Tauferneuerung am Taufstein versammeln sich alle um den Altar. Van Meegen liest das Osterevangelium. Ihm ist wichtig, dass er die biblischen Texte nutzt. „Umgeschriebene Geschichten? Nein, das geht gar nicht“, sagt er. „Da würden die Erwachsenen nichts mitnehmen. Wir können den Kindern ruhig etwas zutrauen.“ An den einzelnen Stationen sei es nur wichtig, dass es nicht zu lange dauert: „Da lese ich nicht die komplette Geschichte vor, sondern erzähle, was damals passiert ist. Wie sich zum Beispiel die Emmaus-Jünger fühlten, als sie sich auf den Weg machten.“

Am Ende des Gottesdienstes segnet der Pfarrer die Osterkörbe und Osterkerzen, die die Kinder zuvor zu Hause gebastelt haben. „Das ist der Renner bei uns“, erzählt er. „Da stehen 50 Kerzen rund um den Altar und die Körbchen mit Hefezöpfen, bunten Eiern, Osterhasen.“ 

Er möchte andere Gemeinden ermutigen, ebenfalls eine Osternacht für Kinder und Familien anzubieten – als Zusatzangebot, nicht um die großen Kar- und Osterliturgien wegzulassen oder zu ersetzen. „Ich merke immer, die Leute in meiner Gemeinde, die wollen etwas tun, die wollen sich einbringen. Ich sage ihnen: Sagen Sie mir Ihre Spinnereien und dann schauen wir, was wir daraus machen“, sagt van Meegen. Das Projekt in Ellwangen wächst weiter: Mal hat ein Landwirt bunte Eier gespendet, mal hat ein Bäcker Osterlämmer für die Kinder gebacken. „So wandelt sich die Osternacht immer wieder und verändert sich. Und das ist wichtig“, sagt der Pfarrer. „Es darf nicht immer dasselbe sein. Dann geht’s kaputt. Wir müssen den Wandel zulassen.“

Kerstin Ostendorf