Diözesanjugendamt Osnabrück
Zwei Lebenswege, eine Aufgabe
Foto: Matthias Petersen
Immer montags: Nur einmal pro Woche überschneidet sich die Arbeitszeit von Vera Jansen mit der von Fabian Schweer. Dann teilen sie sich ihr kleines Büro.
Die Leitungsposition des Diözesan-Jugendamts (DJA) haben Vera Jansen und Fabian Schweer bewusst gemeinsam übernommen. Wer die beiden erlebt, merkt schnell: Sie sind sehr verschieden. Aber gerade das ist ihre Stärke, denn sie ergänzen sich gut. Die 38 Jahre alte Vera Jansen ist Theologin und Pastoralreferentin, verheiratet und Mutter zweier Töchter. Wenn sie von ihrem beruflichen Werdegang erzählt, klingt es eher nach einer langen Verbundenheit, als nach schneller Karriere. „Ich bin schon immer Teil der Jugendpastoral gewesen“, sagt sie, „ehrenamtlich, hauptamtlich und nun eben in der Leitung“.
Fabian Schweer (33) lebt in einer Beziehung und ist ebenfalls „ein Kind des Bistums“, wie er sagt. Der gelernte Erziehungswissenschaftler und Theologe hat auch schon viele Stationen in der Jugendpastoral durchlaufen, sowohl ehren- als auch hauptamtlich. Er bezeichnet sich selbst als einen „politischen Christen“. Für ihn gehören Glaube und gesellschaftliche Verantwortung unbedingt zusammen. Ein Beispiel: Demonstrationen für Klimaschutz und gegen Rechtsextremismus sind für ihn Ausdruck christlicher Werte.
Ich war schon immer Teil der Jugendpastoral.
Zwei Hauptberufler teilen sich eine Leitungsfunktion? Das Konzept, das jeder der beiden jeweils 50 Prozent übernimmt, ist keine „Lifestyle-Teilzeit“, betont Schweer. Es entspricht den Lebensentwürfen der beiden. Jansen hat somit Zeit für ihre Familie, Schweer kann sich so seinem Studium widmen, das er gerade mit der Magisterarbeit beendet. Aber das war für ihrer beiden Entscheidung gar nicht ausschlaggebend. Sie haben sich gezielt als Tandem beworben.
Jansen und Schweer sind schon lange Kollegen und haben sich die vorherige Arbeitsstelle im Katholischen Jugendbüro Osnabrück-Stadt ebenfalls geteilt. Es entspreche ihrer „dialogischen Art zu arbeiten“, sagt Jansen. Zudem sei es sinnvoll, die Leitungsverantwortung in der Jugendpastoral gemeinsam zu tragen, weil sie so vielfältig und herausfordernd ist. Sie wollen der Vielfalt und den unterschiedlichen Zugängen der Jugendlichen Rechnung tragen. Dabei gilt nicht das Gießkannenprinzip, vielmehr sollen die Angebote individueller werden. „Zwei Köpfe schaffen mehr Arbeit, sind für unterschiedliche Themen offen und sprechen unterschiedliche Menschen an“, sagt Jansen.
Wenn sich zwei Menschen eine 100-Prozent-Stelle teilen, sind enge Absprachen und Transparenz notwendig. „Jeden Montag treffen wir uns und besprechen Aufgaben und Prozesse, die gerade anstehen. Zudem gibt es eine Konferenz des Seelsorgeamtes, in das das Diözesanjugendamt eingebunden ist. Das ist unser langer Montag“, sagt Jansen. Ansonsten ist kaum eine Woche wie die andere, ergänzt Schweer. Beide sind viel im Bistum unterwegs, führen Gespräche, beraten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und koordinieren Prozesse. Bei ihnen laufen alle Fäden zusammen, die mit Kirche und Jugend zu tun haben.
Ich sehe mich als politischen Christen.
Wenn man Jansen und Schweer nach ihrer Motivation fragt, in der Kirche zu arbeiten, hört man keine theologischen Begriffe. Stattdessen erzählen sie von ihren „Marmeladenglas-Momenten“. So nennen sie in der Jugendarbeit Augenblicke, die man wie Schätze sammelt. Schweer sagt, sein Marmeladenglas sei randvoll nach acht Jahren in der Jugendpastoral. Da gab es viele Gänsehautmomente, vor allem in der Arbeit mit jungen Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren. Jansen nennt als besonderen Moment ihre Ernennung zur geistlichen Verbandsleitung des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) im Bistum Osnabrück als erster Laie und als erste Frau. Auch die Leitungsposition des DJA zu bekleiden – unabhängig von einer Weihe oder Berufsgruppe – war für sie ein „Magic-Moment“, wie sie sagt.
Grund für ihr Engagement in der Kirche sind aber nicht nur die guten Erfahrungen, die sie machen: „Die Menschen in dieser Kirche sind mir wichtig“, sagt Jansen, „und ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass die Botschaft, die wir haben, eine wahnsinnig gute ist.“ Auf die Frage nach ihrem Leitmotiv antworten beide fast gleichzeitig: „Wir wollen Ermöglicher sein.“ Ermöglicher sowohl für Ehrenamtliche und Kollegen, als auch für die Jugendlichen selbst. Ermöglicher für neue Ideen und neue Formate, wie den „durchkreuzer“, ein Angebot für junge Menschen, die in einem umgebauten Kleinbus auf Festivals und Veranstaltungen Ruhe finden, die ihre Handy-Akkus aufladen oder Gesprächspartner finden können. Der Kern kirchlicher Jugendarbeit liege darin, junge Menschen zu begleiten und zu unterstützen. Und als „Ermöglicher“ einen Rahmen zu stecken, in dem sie Verantwortung übernehmen und gestalten können.
Geteilte Leitung? Jansen und Schweer sehen sich in ihrer doppelten Rolle als Vorreiter. Die geteilte Leitung soll ein Vorbild sein, wie man vieles neu – zum Beispiel die Leitung eines kirchlichen Amtes – denken kann. Was die beiden auszeichnet? Zwei Lebenswege, zwei Perspektiven, aber ein gemeinsamer Blick nach vorne. Und der Wunsch, dass junge Menschen in der Kirche ihren Platz finden und gesehen werden – damit sie ihre eigenen Marmeladen-Momente erleben können.
Anita von Zelewski
Das Diözesanjugendamt (DJA) ist Teil des Seelsorgeamtes im Bistum Osnabrück. Es koordiniert die Angebote und Aktivitäten der Jugendarbeit. Zu seinen Aufgaben gehört es unter anderem, Konzepte und Arbeitshilfen für die kirchliche Jugendarbeit zu entwickeln sowie Großveranstaltungen zu organisieren.