Telefonseelsorge
5600 Gespräche pro Jahr
Foto: Matthias Schatz
Der neue Leiter der Telefonseelsorge, Christoph Wolf, und die Verwaltungskraft Anette Sandersfeld-Teichmann.
Telefonseelsorge ist für Christoph Wolf nichts Neues. Seit 2019 ist der 58-Jährige bereits als Trägerbeauftragter für die Geschäftsführung der Ökumenischen Telefonseelsorge in Mecklenburg mit einer Viertelstelle zuständig, zu der auch dieser Bereich der Caritas zählt. Schon während seines Studiums der evangelischen Theologie in Göttingen und Hamburg befasste er sich mit der Telefonseelsorge. Anschließend übte er verschiedene Tätigkeiten im Bereich der Sozialpsychiatrie aus, so etwa als Leiter einer Werkstatt für psychisch Erkrankte in Bonn. Seit September nun leitet er auf einer Dreiviertelstelle, die Telefonseelsorge der Caritas in Hamburg, wo er vier Tage die Woche vor Ort ist. Einen Tag ist er dann in Schwerin, wo er derzeit wohnt und sich weiter um die Ökumenische Telefonseelsorge in Mecklenburg kümmert. Ihm steht unterstützend Anette Sandersfeld-Teichmann zur Seite, die bereits im März als neue Verwaltungskraft zur Telefonseelsorge dazu kam.
Das neue Duo leitet derzeit 55 Ehrenamtliche. „Zu wenig, wir bräuchten etwa 90, um rund um die Uhr die Telefone zuverlässig besetzen zu können“, sagt Wolf. Daher will er unbedingt eine Änderung fortführen, die von seinem Vorgänger Frank Reuter angeschoben wurde und es Berufstätigen deutlich erleichtert, ehrenamtlich tätig zu werden. „Sie können nun frei wählen, für wie viele Stunden sie Dienst am Telefon buchen. Zuvor mussten sie sich stets für Blöcke von mindestens vier Stunden verpflichten. Nun können sie auch für kürzere Zeiten, etwa nach ihrer Arbeit, vorbeikommen“, so Wolf. „Das wird sehr gut angenommen“, berichtet Sandersfeld-Teichmann.
Da kommt es gelegen, dass Dank einer Spende genug Geld für einen neuen Ausbildungskurs in der Kasse ist. Er soll idealerweise im März beginnen und erstreckt sich über neun Monate. Teilnehmen können bis zu zwölf Personen. Geschult wird meist im 14-Tage-Rhythmus freitags von 17 bis 20 Uhr und samstags von 10 bis 16 Uhr. In die Schulferien in Hamburg und Schleswig-Holstein fallen keine Termine.
„Das ist eine recht umfängliche Ausbildung und Qualifizierung, von der jeder auch selbst sehr profitiert“, hebt Wolf hervor. Vermittelt werden Fähigkeiten, die auch in anderen Lebensbereichen sehr nützlich sein können. So etwa Grundwissen zu Gesprächsführung und Kommunikation, Methoden des Zuhörens, Fertigkeiten der Krisenintervention. Damit verbunden ist auch eine Reflexion der eigenen Lebensgeschichte und Spiritualität. Kurzum: Der Kurs kann zur „Weiterentwicklung der Persönlichkeit“ beitragen, wie es auch in einem Flyer der Caritas im Norden zur Telefonseelsorge heißt.
„Die Ehrenamtlichen müssen auch nicht katholisch sein“, betont Anette Sandersfeld-Teichmann, die selbst aus dem freikirchlichen Bereich kommt und zuvor als Chefsekretärin in einem Krankenhaus und als Logopädin gearbeitet hat. Gefordert ist aber eine Bereitschaft, den christlichen Auftrag der Telefonseelsorge mitzutragen. „Die Telefonseelsorge ist ein originärer kirchlicher Dienst“, betont Christoph Wolf. Sie werde ausschließlich vom Erzbistum und durch Spenden finanziert, erhalte keine staatliche Förderung.
Nach drei Monaten Ausbildung nehmen die Teilnehmer bereits erste Anrufe entgegen. Wer den Kurs beendet, verpflichtet sich, mindestens zweieinhalb Jahre als Telefonseelsorger tätig zu sein. Im Schnitt sind die Ehrenamtlichen für sieben bis neun Jahre tätig. Verpflichtend sind für alle Ehrenamtlichen unter 70 Jahren vier Nachtschichten pro Jahr. Insgesamt müssen jährlich 112 Stunden absolviert werden. Hinzu kommen dann noch rund 20 Stunden für die Supervision, also die seelische Betreuung der Seelsorger, und bis zu acht Stunden jährlich für die Weiterbildung.
Bis Ende Januar werden noch Bewerbungen für den Ausbildungskurs der Telefonseelsorge entgegengenommen, und zwar am besten per E-Mail an christoph.wolf@caritas-im-norden.de
Zur Sache
Die katholische Telefonseelsorge führt nach Erhebung des Leiters Christoph Wolf jährlich rund 5600 Gespräche. 3500 Menschen rufen wiederholt an. Im Schnitt dauert ein Gespräch 30 Minuten. Zwei Drittel der Anrufer sind Frauen, ein Drittel Männer. Zwei Drittel sind alleinstehend. Ein Drittel der Anrufer erwähnt eine psychische Erkrankung. 30 Prozent sind erwerbsunfähig, 23 Prozent im Ruhestand, 28 Prozent sind erwerbstätig. 25 Prozent der Gespräche kreisen um die Themen Einsamkeit und Isolation, 15 Prozent drehen sich um die Familie. In zwölf Prozent der Gespräche spielen Suizidgedanken eine Rolle. Weitere häufige Themen sind körperliche und persönliche Einschränkungen, Depressionen, Ängste, Stress, emotionale Erschöpfung, Ärger, Scham- und Schuldgefühle sowie Alltagskonflikte, etwa mit Nachbarn.