Von der Minze bis zum Weihrauch

Biblische Kräuter und Heilpflanzen: ihre Bedeutung und Anwendung heute

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Mehrere Kräutertöpfe
Nachweis

Markus Spiske/Unsplash

Es ist ein alter Brauch: Zum Fest Mariä Himmelfahrt am 15. August werden in den Kirchen Kräuter gesegnet. Viele der Kräuter, die heute noch in Küchen, Gärten und auf Balkonen stehen, finden sich bereits in der Bibel. Welche Bedeutung hatten sie, wie geht die richtige Pflege – wie wirken sie?

In einem Kräutergebet heißt es: „Guter Gott, du hast Himmel und Erde erschaffen. Blumen, Kräuter und Früchte sind deine Gaben. Sie machen uns Freude, dienen uns zur Nahrung und Heilung.“ Passend zu Mariä Himmelfahrt am 15. August haben wir für Sie eine kleine Auswahl zusammengestellt. 

Minze

Foto: Pixabay

Sie taucht im Zusammenhang mit den sogenannten Zehntabgaben der Pharisäer in der Bibel auf:

Weh euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler! Ihr gebt den Zehnten von Minze, Dill und Kümmel und lasst das Wichtigste im Gesetz außer Acht: Recht, Barmherzigkeit und Treue. Man muss das eine tun, ohne das andere zu lassen. 
[Matthäus 23, 23]

Die Minze steht hier für eine kleine, unbedeutende Sache. Jesus benutzt den Vergleich als Beispiel für übertriebene Gesetzestreue Kleinigkeiten, während das Wesentliche vernachlässigt wird. 

Pflege
Sie kauft man am besten im Töpfchen und setzt sie Zuhause entweder direkt in den Garten oder alternativ in einen größeren Blumentopf. Aber Vorsicht: Sitzt sie einmal im Garten, kann sie sich schnell ausbreiten. Am besten ist es, rings um die Pflanze Bretter etwa 20 Zentimeter tief in den Boden zu stecken, um die Wurzeln der Minze zu begrenzen.

Wussten Sie schon?
Der Name des Gewächses geht auf Minthe“ zurück eine Nymphe, die laut griechischer Mythologie von Persephone in eine Pflanze verwandelt wurde. Die alten Ägypter nutzten Minze als Konservierungsmittel von Lebensmitteln. Im Mittelalter hingegen galt sie vor allem als Heilmittel bei Magenschmerzen. 


Koriander

Pflanze und Samen des Korianders
Foto: Magdalena Olszewska/Unsplash

Es ist ein sehr altes Gewürz, wird bereits im Alten Testament erwähnt. Als die Israeliten auf Ihrer Reise mit Moses durch die Wüste waren, soll die Pflanze Manna als Nahrung gedient haben. Der Same des Korianders ähnelt in Form und Geschmack dem Manna in der Bibel werden beide miteinander verglichen:

Das Haus Israel nannte das Brot Manna. Es war weiß wie Koriandersamen und schmeckte wie Honigkuchen. 
[4 Mose 11,7]

 

 

Pflege
Koriander ist pflegeleicht, gedeiht auf der Fensterbank. Ihr Lieblingsplatz ist aber der Garten? Keine Sorge, dort gedeiht Koriander genauso gut. Wichtig? Sonniger bis halbschattiger Standort, Staunässe vermeiden, regelmäßig Gießen. Zusätzliche Düngung braucht es nicht.

Wussten Sie schon?
In der Antike nutzten Mediziner Koriander zur Linderung von Magen-Darmbeschwerden und zur Behandlung von entzündeten Wunden. 

 

Kümmel

So sieht Kümmel aus: Als Pflanze grün und rund, mit langem Stil und als Gewürz klein, braun und länglich.
Foto: Katrina Wright/Unsplash

Auch den Kümmel findet man vor allem im Alten Testament. So spricht etwa der Prophet Jesaja von dem Gewürz:

Auch drischt man den Dill nicht mit Dreschschlitten und lässt auch nicht die Walze über den Kümmel gehen, sondern den Dill schlägt man aus mit einem Stabe und den Kümmel mit einem Stecken.
[Jesaja 28, 27]

Hier geht es um den weisen Umgang Gottes mit seinem Volk. Kümmel wird als Pflanze erwähnt, die mit Sorgfalt geerntet werden muss – nicht grob, sondern mit Maß und Verständnis. Das steht symbolisch für Gottes Weisheit im Umgang mit den Menschen. 

Pflege
Kümmel sät man im April dünn in Reihen mit 30 cm Abstand aus. Die Keime nur leicht mit Erde bedecken. Ein Vlies kann vor Schädlingen schützen. Wichtig: Regelmäßiges Gießen, Boden gelegentlich lockern. Eher im Beet als im Topf pflanzen und nach der Samenernte im zweiten Jahr das Beet umgraben. 

Wussten Sie schon? 
Als Gewürz zum Kochen wird Kümmel das erste Mal im dritten Jahrhundert nach Christus erwähnt. 

 

Aloe

Aufgeschnittene Aloe Vera Pflanze, sodass man das Innere und die Flüssigkeit sieht.
Foto: Katherine Jenswold/Unsplash

Sie ist eine der ältesten Heilpflanzen der Menschheit, ihren Ursprung hat sie in Ost- und Südafrika. Bereits tausende von Jahren vor Christus finden sich erste Erwähnungen auf sumerischen Tontafeln zum heilenden Saft der Aloe.  Aloe wurde schon damals als gutes Mittel für die Hautpflege betrachte. Später, in Zeiten Jesu, wurde Aloe vor allem zur Einbalsamierung von Verstorbenen genutzt – allein schon wegen des intensiven Geruchs. ln der Heiligen Schrift soll etwa Nikodemus zur Salbung Jesu die Pflanze als Duftstoff für die Leichentücher mitgebracht haben:

Es kam auch Nikodemus, der früher einmal Jesus bei Nacht aufgesucht hatte. Er brachte eine Mischung aus Myrrhe und Aloe, etwa hundert Pfund. Sie nahmen den Leichnam Jesu und umwickelten ihn mit Leinenbinden, zusammen mit den wohlriechenden Salben, wie es beim jüdischen Begräbnis Sitte ist.
[Joh 19,39-40] 

Pflege
Die Pflanze lässt sich leicht pflegen. Da sie zu den Sukkulenten – Gewächsen gehört, braucht sie nur wenig Wasser. Wichtig? Ein heller Standort und statt Erde lieber ein Substrat nutzen. Das beugt Wurzelfäule vor. Im Winter sollte die Pflanze kühl und trockener als im Sommer gehalten werden. 

Wussten Sie schon? 
Cleopatra und Nofretete sollen das Gewächs im alten Ägypten schon zur Körperpflege genutzt haben. Heute schwört mancher noch auf die beruhigende Wirkung der Aloe auf die Haut – aber auch bei Stress soll das Naturprodukt helfen. Etwa als ätherisches Öl zusammen mit Lavendel. 

 

Weihrauch

Rauchender Weihrauch ist zu sehen, der verbrannt wird
Foto: Anup Ghag/Unsplash

Er kommt im Alten als auch im Neuen Testament vor. So gibt im 2. Buch Mose (Exodus) Gott selbst die Anweisung zur Herstellung eines heiligen Räucherwerks - dazu gehört laut Bibelstelle auch Weihrauch: 

Der HERR sprach zu Mose: Nimm dir Duftstoffe, Staktetropfen, Räucherklaue, Galbanum, Gewürzkräuter und reinen Weihrauch, von jedem gleich viel, und mach Räucherwerk daraus, ein Würzgemimsch, wie es der Salbenmischer herstellt, gesalzen, rein und heilig! 
[2. Mose 30,34-36]

Doch die wohl berühmteste Stelle, an der Weihrauch in der Bibel auftaucht, beziehen Christen auf die Heiligen Drei Könige: 

Eine Menge von Kamelen bedeckt dich,
Hengste aus Midian und Efa. Aus Saba kommen sie alle,
Gold und Weihrauch bringen sie
und verkünden die Ruhmestaten des HERRN. 
[Jes 60,6]

 

Die Weihrauchpflanze gehört zur Familie der Lippenblütler und hat es gerne hell. Foto: Ruth Swan/Shutterstock

Pflege

Die meisten kennen den Weihrauch nur aus der Kirche, doch die Pflanze kann auch den eigenen Garten bereichern. Echter Weihrauch stammt von Bäumen aus dem Oman oder Nordafrika. Ihr Harz wurde schon in der Antike als Räucherwerk verwendet. Die bei uns bekannte Weihrauchpflanze ist hingegen eine Zierpflanze mit duftenden Blättern. Sie erinnert nur im Geruch an das Original. 

Die Weihrauchpflanze ist pflegeleicht, mag Schatten, Halbschatten und vor allem volle Sonne. Auf dem Balkon und im Garten gedeiht die Pflanze prächtig. 


 

Wussten Sie schon?
In der Liebeslyrik gilt der Weihrauch zusammen mit Myrrhe oft als Metaphern für Geliebte, auch im biblischen Hohelied wird die Metaphorik deutlich: 

Wenn der Tag verweht und die Schatten fliehen, 
will ich zum Myrrheberg gehen, 
zum Weihrauchhügel. 
Alles an dir ist schön, meine Freundin, 
kein Makel haftet dir an.
[Hl 4,6]

Bibelgärten in der Region

Wenn Sie biblische Kräutergärten oder Bibelgärten in Ihrer Nähe suchen, gelangen Sie über hier zu einer Übersichtskarte. 

Kräuterweihen

Am 15. August finden in vielen Kirchen traditionellerweise Kräuterweihen statt. So etwa auch in der Gemeinde Christus-König Osnabrück oder in Lemförde.