Malte Hüggelmeyer ist neuer BDKJ-Jugendbildungsreferent in Bremen
„Das ist gelebte Demokratie“
Foto: Christof Haverkamp/Katholischer Gemeindeverband Bremen
Kirchliche Jugendverbände bieten viele Möglichkeiten, sich auszuprobieren und Verantwortung zu übernehmen, sagt der neue Bremer BDKJ-Jugendbildungsreferent Malte Hüggelmeyer.
Der Streit entzündet sich an einer versuchten Abschiebung: Rund 100 Menschen verhindern vor zwei Jahren in der evangelischen Zionsgemeinde in der Bremer Neustadt den Zugriff der Polizei auf einen Somalier. Auf der einen Seite: die Gemeinde, die ihren christlichen Auftrag ernst nimmt und einem Menschen in Not Schutz gewährt. Auf der anderen Seite: der Bremer Innensenator Ulrich Mäurer (SPD), der beklagt, dass die Kirchenasyl-Praxis aus dem Ruder laufe: 2024 steht das Land Bremen – im Verhältnis zur Einwohnerzahl – auf Platz eins. 200 der bundesweit 2300 Kirchenasyl-Fälle entfallen auf dem Stadtstaat. Politik und Kirchenleitung haben inzwischen einen Kompromiss gefunden.
„Eine Demokratie, in der nicht gestritten wird, ist keine“, sagte einst Bundeskanzler Helmut Schmidt. In Konflikten werden unterschiedliche Meinungen jenseits der eigenen Filterblase diskutiert, werden Gewissheiten umgestoßen und neue Ideen hervorgebracht. Die Kirchenasyl-Debatte mache deutlich, dass die Kirche eben auch ein politischer Ort ist und es auch für die Kirche wichtig ist, Haltung zu zeigen, findet Malte Hüggelmeyer. Junge Menschen könnten hier viel „über gesellschaftlichen Zusammenhalt“ lernen.
Mit jungen Menschen hat es Hüggelmeyer, 30 Jahre alt, jetzt beruflich zu tun. Er ist neuer Jugendbildungsreferent des BDKJ im Land Bremen. Der gebürtige Osnabrücker engagierte sich schon als Schüler in der Jugendarbeit in der Kirchengemeinde St. Margaretha in Westerkappeln, war Gruppenleiter im Zeltlager und später Lagerleiter. Er studierte in Münster Politikwissenschaft und wechselte nach seinem Bachelor-Abschluss nach Berlin, wo er Sozialwissenschaften studierte und den Master erwarb.
Als Jugendbildungsreferent hat Malte Hüggelmeyer die Geschäftsführung und pädagogische Leitung der BDKJ-Regional- und Landesstelle übernommen. Der BDKJ als Dachverband der katholischen Jugendarbeit vertritt die Interessen von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen – innerhalb und außerhalb der Kirche. Zum Beispiel beantragt er städtische Finanzierungsmittel für die offene Kinder- und Jugendarbeit und sorgt dafür, dass Kinder und Jugendliche eine Stimme bekommen. Der BDKJ hat unter anderem Sitze im Bremer Jugendring, im Stadtpastoralrat und im Landesjugendhilfeausschuss. Für Malte Hüggelmeyer ist das „gelebte Demokratie“. Junge Menschen könnten sich ehrenamtlich ausprobieren, Verantwortung übernehmen und somit eine „aktive Haltung entwickeln“. Außerdem: mit einem kritischen Blick für eine solidarische und offene Kirche einstehen und diese mitgestalten. Ob als Gruppenleiter im Zeltlager oder Schulungsteamer im Dekanat Bremen.
Autoritäre Tendenzen frühzeitig erkennen und dagegen angehen.
Sorgen macht Hüggelmeyer der Rechtsruck in Deutschland, verbunden mit der Frage: Was passiert dann mit den sozialen Einrichtungen? „Der Haushalt wird auch in Bremen knapper, der Abbau von Sozialleistungen macht sich in unserer Arbeit bemerkbar. In der Jugendarbeit wird gekürzt.“ Welche Projekte wird es in Zukunft noch geben? Kirchliche Kindertagesstätten, Wohnheime für Studierende, Ferienfreizeiten für Kinder – „genau da kann die Kirche Angebote schaffen. Wenn das nicht mehr gefördert wird, wird es schwierig, in solchen Strukturen zu arbeiten.“
Während seiner Studienzeit in Berlin arbeitete Malte Hüggelmeyer nebenberuflich in der Bildungsabteilung der Gedenkstätte Berliner Mauer. Er sprach mit Zeitzeugen in der Bernauer Straße – mit Menschen, die aus der DDR geflüchtet sind und denen, die geblieben sind. Er wollte verstehen: Wie kommt es in einer Gesellschaft zu bestimmten Machtstrukturen, wie reagieren die Menschen darauf und wie wirken sie sich auf Familien aus? Die Bernauer Straße an der Grenze zwischen den Berliner Stadtbezirken Wedding und Mitte war ein Brennpunkt der deutsch-deutschen Nachkriegsgeschichte. Der Bau der Berliner Mauer und seine Folgen für die Bewohner der geteilten Stadt wurden dort besonders dramatisch erlebt.
Die Gedenkstätte schaffe einen Raum, sich mit der jüngeren deutschen Geschichte auseinanderzusetzen, sagt Hüggelmeyer – und ergänzt: Ähnliche Räume biete auch ein kirchlicher Verband wie der BDKJ an. Da wird beispielsweise diskutiert, wie Antisemitismus, Rassismus und rechte Ideologien entstehen und wie man sich dagegen positionieren kann. „Autoritäre Tendenzen frühzeitig erkennen und dagegen angehen – auch bei den nächsten Wahlen.“