Mutter-Kind-Kuren weiterhin wichtig

Jetzt hat Mama ihre Zeit

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Eine Frau steht neben einer Nonne vor einem weißen Haus
Nachweis

Foto: Anton Kensbock

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Im hauseigenen Garten vor historischen Mauern: Die Leiterin der Fachklinik Sancta Maria, Gudrun Riebenstahl, mit Schwester Petra-Maria. 

Viele Mütter leisten täglich Enormes. In der Klinik Sancta Maria auf Borkum nehmen sie ihr gutes Recht wahr, die Fassade des Funktionierens abzulegen und Zeit nur für sich zu beanspruchen.

Marlis Meyer ist in der letzten Woche ihrer dreiwöchigen Kur – und erst seit zwei Tagen richtig entspannt. Zu Hause hat sie wenig Zeit für ihren zehnjährigen Sohn: „Was ihm fehlt, ist eine Mutter, die nicht arbeitet, abwesend oder müde ist.“ Hier in der Fachklinik Sancta Maria auf Borkum, die gerade 125 Jahre alt geworden ist, kann sie wieder Sport treiben, Zeitung lesen oder einfach Zeit für sich haben.

Gebäude der Klinik
Erbaut 1901, befindet sich die Klinik in der Boeddinghausstraße 10 auf Borkum. Benannt ist die Straße nach Carl Böddinghaus, dem Initiator der katholischen Präsenz auf Borkum. Foto: Anton Kensbock.

Leiterin Gudrun Riebenstahl beobachtet, dass die Mütter eine oder zwei Wochen benötigen, bis der Stress abfällt. „Dann merke ich, dass diese ganze Fassade, die sie gehalten haben, bricht. Und das ist okay, sie dürfen das“, sagt Riebenstahl über ihre Patientinnen. 36 Mütter und deren Kinder pro dreiwöchiger Kur kann die Klinik der Thuiner Franziskanerinnen versorgen. Das ist nicht viel Zeit. „Wir können nicht komplett alles beseitigen, was in den letzten 15 Jahren schiefgegangen ist“, sagt Riebenstahl, aber „Türen aufmachen, Anstöße geben und Wege zeigen, wie es weitergehen könnte“. Denn viele Mütter stehen kurz vor dem Zusammenbruch, weil sie im Alltag schlicht keine Zeit mehr für sich finden. Ein Buch zu lesen oder zwei Stunden nur für sich zu haben – das sind Wünsche von Patientinnen zu Beginn der Kur. Riebenstahl empfindet die Belastungen der Mütter heutzutage stärker als noch vor 20 Jahren und führt das auf den Überfluss an Informationen zurück: „Heute tickern wir alles, haben unheimlich viel Information und damit Probleme, diese zu filtern.“ Außerdem sind die Erwartungen gestiegen. Dass Kinder einfach mal Kind sein dürfen, stehe oft nicht mehr im Fokus.

Marlis Meyer hat im Alltag wenig Luft. Sie befindet sich in einer beruflichen Aufstiegsmaßnahme. Die 48 Jahre alte alleinerziehende Mutter aus Norden ist durch Arbeit, Kindererziehung und Weiterbildung gleich dreifach belastet: Ihre Tage beginnen um Viertel vor fünf Uhr und enden selten vor 21.30 Uhr. „Auf meiner täglichen To-do-Liste, die vielleicht 15 wirklich wichtige Punkte hatte, habe ich dann maximal zehn geschafft. Und dieses Gefühl habe ich die ganze Zeit“, sagt Meyer.

Eine Frau steht in den Dünen
Marlis Meyer ist dankbar für ihre Zeit auf Borkum. Foto: Anton Kensbock

Eigene Freiräume erschaffen

Gudrun Riebenstahl kennt dieses Problem: „Die Frauen sind so eingetaktet und trauen sich zu Hause nicht zu sagen: ‚Stopp. Jetzt braucht Mama ihre Zeit‘“. Erholung steht mir zu – diese Einstellung den Müttern anzutrainieren, ist eine zentrale Aufgabe während der Kur. Daher gibt es eine kinderfreie Zone in der Klinik: das Kreativzimmer. Dessen Türen stehen immer offen – aber nur den Patientinnen. Schwester Petra-Maria von den Thuiner Franziskanerinnen erinnert sich an „heiße Diskussionen, weil die Mütter das nicht immer einsehen“, ohne Kinder kreativ zu sein. Doch meistens dauert es nur eine Woche, bis die Mütter Schwester Petra-Maria erzählen, wie gut ihnen das Kreativangebot tut.

Was in der Kur antrainiert wurde auch im Alltag langfristig anwenden – dazu bekommen die Mütter Werkzeuge wie progressive Muskelentspannung an die Hand. Marlis Meyer hat das ausprobiert – und ist dabei eingenickt. Die Kur hat sie so runterfahren lassen, dass sie am helllichten Tag einschlafen konnte. Das ist ihr im Alltag noch nie passiert.

Anton Kensbock

Gefangen auf der Sandbank und im Visier aufgebrachter Insulaner: Lesen Sie die Borkum-Kolumne unter www.aussicht.online/artikel/der-ton-macht-die-musik. Die Mutter-Fachklinik wird in diesem Jahr 125 Jahre alt. Dazu ist am Samstag, 1. August um 11 Uhr eine Feier mit Dankgottesdienst geplant. Weitere Informationen auf dem Instagram-Kanal der Fachklinik.