Ausstellung über Magie im Bremer Übersee-Museum

Mehr Zauber geht nicht

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Ausstellung Magie in Bremen
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Foto: Volker Beinhorn/Übersee-Museum Bremen

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Die Bremer Sonderausstellung im Überseemuseum bietet auch einen Exkurs in die Welt des Aberglaubens.

Die weltumspannende Geschichte der Magie ist eng mit den Religionen verwoben. Das wird in den magischen Welten deutlich, einer großen Sonderausstellung im Bremer Überseemuseum.

Magische Momente gibt es auch in Kirchen. Orgelmusik, Weihrauch, die Verwandlung von Brot und Wein in den Leib und das Blut Christi – wer noch nie in einem Gottesdienst war, staunt und denkt vermutlich: Mehr Zauber geht nicht! Genau diese Außensicht wollte Kurator Jan Christoph Greim, selbst katholisch geprägt, in die Sonderausstellung „Magie“ im Bremer Überseemuseum einbringen. 

Er hinterfragte seine Idee im Diözesanmuseum Osnabrück. Dort fand man den Perspektivwechsel gut. Doch letztendlich intervenierten die beiden französischen Museen, von denen das Ausstellungskonzept übernommen wurde. „Sie ließen es gerade so durchgehen, dass wir einige Reliquien und Heiligenbildchen zeigen“, sagt Kurator Greim.

Magie existiert seit Menschengedenken. Sie ist ein schillernder Begriff, der sich nicht leicht fassen lässt. Vielfältig und faszinierend – bis heute. Magie und Religion lassen sich oft nur schwer trennen. Alles, was nicht in den Kontext der großen Weltreligionen passte, wurde als Aberglaube oder Zauber diskreditiert. „Man hat Magie auch benutzt, um andere Glaubensrichtungen abzuwerten, das spiegelt sich in unseren Sammlungen wider“, sagt Jan Christoph Greim. 

Auf rund 800 Quadratmetern sind bis 7. April mehr als 400 magische Objekte zu sehen, die ein Gefühl dafür geben, wo das Erklärbare endet und das Staunen beginnt. Es geht um Magie, mit der Menschen seit jeher ihr Schicksal beeinflussen wollen, um Show-Magie auf der Bühne und um Magie, die unserer Fantasie entspringt – etwa in der Welt des Zauberlehrlings Harry Potter.

In allen christlich geprägten Ländern gilt die 13 als Unglückszahl.

Wer die Ausstellung betritt, wird gleich von einer gespenstischen Atmosphäre empfangen, mit kahlen Bäumen, einer Gruppe von Wölfen, dem Rauschen eines Waldes und dem Sound eines heulenden Wolfrudels. Früher war der Wolf in Europa gefürchtet, ihm wurde eine Betäubungskraft zugeschrieben: Wer ihn sah, war wie gelähmt, und wer seinen Atem einatmete, verlor die Stimme. 

Wunschbaum
Wunschbäume werden auf der ganzen Welt oft als Ort für Opfergaben und Wünsche für Heilung und Erfolg genutzt. Foto: Olivier Garcin/Musee des Confluences

Weiter geht es zu den Wurzeln der Magie. Eine Säule mit eingravierter Keilschrift zeigt den Codex „Hammurabi“, der um 1760 vor Christus den Schadenzauber unter Todesstrafe stellte. Wenige Meter weiter befindet sich das Lieblingsausstellungsstück von Jan Christoph Greim: eine Schminkpalette aus Ägypten um 3600 vor Christus. Sie zeigt, dass Schminke auch eine magische und medizinische Funktion hatte. Bei ihrer Zubereitung wurde sie beschworen, Augenkrankheiten zu heilen. Dass die Schminke leicht antibakteriell wirkte, „wusste damals natürlich noch keiner“, sagt Greim. 

In einem Rondell hängen getrocknete Pflanzen und Kräuter von der Decke. Man erfährt, dass die Magie im Mittelalter mit den Geheimnissen der Natur verbunden war und Religion mit den wissenschaftlichen Anfängen vermischte. Das Christentum verurteilte bestimmte Praktiken wie die Wahrsagerei, akzeptierte aber die Idee einer natürlichen Magie, die zu Heilszwecken praktiziert wurde. Das Wissen der Antike über die Heilkraft von Pflanzen wurde in den Bibliotheken der mittelalterlichen Klöster aufbewahrt. Im zwölften Jahrhundert entwickelte Hildegard von Bingen einen mystischen und medizinischen Zugang zu Pflanzen, indem sie Theologie, Wissenschaft und Magie miteinander verband. 

Auch ein Exkurs in den Aberglauben macht die Nähe zum Christentum deutlich. Bestes Beispiel: Der Verräter Judas war beim letzten Abendmahl der 13. in der Runde. „In allen christlich geprägten Ländern gilt die 13 als Unglückszahl“, sagt Kurator Greim. Und selbst, wer sich nicht für abergläubisch hält, merkt oft, dass das nicht so ganz stimmt. In der Vitrine zum Aberglauben sollte auch ein zerbrochener Spiegel ausgestellt werden. Aber von den knapp 100 Museumsmitarbeitern habe sich kein einziger getraut, einen Spiegel zu zerbrechen.
 

Anja Sabel