Gottesdienst zum Welttag der Suizidprävention

Reden kann Leben retten

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Einsamkeit
Nachweis

Foto: Noah Silliman/Unsplash.com

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Einsamkeit ist der größte Risikofaktor für suizidale Gedanken.

Die Gesundheitspolitikerin Kirsten Kappert-Gonther hält die Kanzelrede in einem ökumenischen Gottesdienst in Bremen zum Welttag der Suizidprävention. Schon seit langem setzt sich die Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie für ein bundesweites Suizidpräventionsgesetz ein.

„Lass uns drüber reden“ heißt das Motto des ökumenischen Gottesdienstes zum Welttag der Suizidprävention. Warum müssen wir so dringend über dieses Thema reden?

Viele Menschen entwickeln im Laufe ihres Lebens aus ganz verschiedenen Gründen suizidale Gedanken. In der Regel ist das aber nicht der Wunsch nach dem Tod, sondern der Wunsch nach einer Pause von einer als unerträglich empfundenen Lebenssituation.

Warum ist Suizid in unserer aufgeklärten Gesellschaft noch immer ein Tabuthema?

Es kursiert noch immer die Annahme, man verstärke suizidale Wünsche, wenn man einen Menschen darauf anspreche. Das ist falsch. Die beste Prävention ist, ins Gespräch zu gehen, Interesse zu zeigen, zuzuhören – das kann lebensmüde Gedanken reduzieren. Ein zweiter Grund hat mit unserer Geschichte zu tun: Im Nationalsozialismus wurden Menschen mit psychischen Erkrankungen ermordet. Es gibt so etwas wie ein vererbtes Bedenken, sich mitzuteilen, wenn wir uns in einer psychischen Ausnahmesituation befinden. Suizidalität kommt aber nicht nur im Zusammenhang mit psychischen Erkrankungen vor. Jeder Mensch kann suizidal werden, zum Beispiel, wenn er seinen Arbeitsplatz verliert, Liebeskummer hat oder einsam ist.

Was müsste sich ändern?

Ich möchte Menschen – in der Familie, im Freundeskreis – ausdrücklich ermuntern, auch über schwierige Lebenssituationen und suizidale Empfindungen miteinander zu sprechen. Wenn man das Gefühl hat, jemand zieht sich zurück und verschließt sich immer mehr, ist eine freundliche und sensible Ansprache sehr hilfreich.

Kappert Gonther
Kirsten Kappert-Gonther, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, gestaltet den ökumenischen Gottesdienst in Bremen zum Welttag der Suizidprävention mit. Foto: Bündnis 90/Die Grünen/Caspar Sessler

Kommen Familie und Freunde nicht an Grenzen?

Sie ersetzen keine professionelle Hilfe – die hausärztliche Praxis, die Telefonseelsorge, die Psychiaterin oder den Psychiater. Aber sie können den Weg dorthin begleiten. Manchmal hilft auch schon ein guter Pflegedienst oder eine Schuldnerberatung. Zudem brauchen wir ein Suizidpräventionsgesetz und den Ausbau von Palliativversorgung und Pflege.

Wie sinnvoll ist ein solches Gesetz?

Jährlich sterben mehr als 10 000 Menschen in Deutschland durch Suizid. Das macht deutlich, wie notwendig ein Suizidpräventionsgesetz ist. Es würde den Rahmen schaffen für eine bundesweit einheitliche Krisennummer – und für eine gut finanzierte, flächendeckende Krisenhilfe in den Regionen. Gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen habe ich einen entsprechenden Antrag in den Bundestag eingebracht.

Wer ist von Suizidalität besonders betroffen?

Menschen in suizidalen Krisen gibt es in allen Altersgruppen. Betroffen sind zunehmend auch ältere Menschen – vor allem ältere Männer. Suizidalität entwickelt sich immer im Kontext der Lebenssituation. Risikofaktoren sind Einsamkeit, die Angst vor Armut oder die Angst, keine passende Pflege zu finden. Auch Depressionen spielen eine Rolle. Aus dem größten Risikofaktor, der Vereinsamung, lässt sich ableiten, was am besten hilft: in Kontakt zu kommen.

Zwischenmenschliche Beziehungen können also Leben retten?

Ja. Jemanden zu haben, für den man wichtig ist, das Gefühl, gebraucht zu werden – und die Aussicht darauf, dass sich eine schwierige Lebenssituation wieder bessert. Hier können auch die Kirchengemeinden eine große Hilfe sein.

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Anja Sabel

Zur Sache

Der ökumenische Gottesdienst zum Welttag der Suizidprävention findet am Freitag, 11. September, um 18 Uhr in der Bremer Kirche Unser Lieben Frauen, Unser Lieben Frauen Kirchhof 27-29, statt. Kirsten Kappert-Gonther, Bündnis 90/Die Grünen MdB sowie Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, hält die Kanzelrede. 

Außerdem wirken mit: Christoph Sülz, stellvertretender Vorsitzender der Psychotherapeutenkammer
Propst Bernhard Stecker, Katholischer Gemeindeverband
Pastor Bernd Kuschnerus, Präsident Bremische Evangelische Kirche
sowie Mitarbeitende aus der Telefon-Seelsorge und anderen Einrichtungen.

Hilfe in Krisensituationen

Die Telefon-Seelsorge hat ein offenes Ohr rund um die Uhr. Erreichbar ist sie unter 08 00/1 11 01 11 und 08 00/1 11 02 22 sowie per E-Mail oder Chat

Mit der kostenlosen App „KrisenKompass“ bietet die Telefon-Seelsorge auch Hilfe zur Selbsthilfe bei depressiven Gefühlen und Suizidgedanken für Betroffene und Angehörige.