Osnabrückerin ist Bundesverdienstkreuz-Trägerin

Im Einsatz für die Demokratie

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Dua Zeitun mit Bundesverdienstorden
Nachweis

Foto: Anja Sabel

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Die Osnabrückerin Dua Zeitun mit ihrem Verdienstorden

Dua Zeitun begleitet ein Projekt, in dem sich muslimische und jüdische Jugendliche begegnen. Unter anderem dafür wurde die Osnabrückerin mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Was hat sich seitdem für sie verändert?

Es ist eine dieser typischen Diskussionen, mit denen Dua Zeitun „ihre“ Jugendlichen gern herausfordert: Thema Wehrpflicht in Deutschland. Wer würde sich freiwillig melden? Das können sich nur zwei der 19 jungen Muslime im Raum vorstellen – und sie geben die Frage auch an Dua Zeitun zurück. Ja, sagt sie, „ich würde an die Front gehen, um mein Land zu verteidigen“. Ungläubiges Staunen: „Du würdest echt dein Leben opfern?“ Antwort: „Klar, ihr werdet das aber erst verstehen, wenn ihr euch hier in Deutschland zu Hause fühlt.“

Alles begann vor zehn Jahren, als Dua Zeitun den Verein „Muslimische Jugendcommunity Osnabrücker Land“ (MUJOS) gründete. Sie wollte Perspektiven für junge Menschen schaffen, ihr Potenzial fördern und ihnen vor allem Mut machen, ihren eigenen Platz in dieser Gesellschaft zu finden. „Denn die Werte, die uns tragen, sind Verantwortung, Vielfalt, Respekt und der Einsatz für unsere Demokratie.“ Daraus entwickelten sich mehrere ehrenamtliche Projekte und Aufgaben, die die Osnabrückerin, Tochter syrischer Einwanderer, sehr ernst nimmt: Sie setzt sich gegen Antisemitismus ein und sorgt dafür, dass sich muslimische und jüdische Jugendliche begegnen – um mehr voneinander zu erfahren, über die religiösen Vorstellungen und verschiedenen Kulturen. Und um Vorurteile abzubauen. Im Kontext des Nahost-Konfliktes vermittelt sie und klärt auf. Außerdem begleitet die 47-Jährige ein Projekt, in dem sich muslimische Jugendliche mit Polizistinnen und Polizisten austauschen. Das Ganze wird auch in kurzen Filmen dokumentiert.

Für ihr Engagement wurde Dua Zeitun vor wenigen Monaten mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Gerechnet hatte sie damit nicht. Den Brief des Bundespräsidenten legte sie nach dem Lesen erst mal zwei Tage zur Seite. „Ich habe mich über die Einladung gewundert, aber mir war überhaupt nicht klar, dass es um mich ging.“ Als der Groschen fiel, flossen Freudentränen.

Ich habe das alles erst auf der Zugfahrt nach Hause so richtig realisiert.

Der Tag in Berlin, der Empfang im Schloss Bellevue, sei eine große Ehre gewesen und unvergesslich, schwärmt sie. Obwohl sie sehr aufgeregt gewesen sei und kaum geschlafen habe. Zumal sie die Dankesrede im Namen aller Ordensträger halten sollte. „Ich habe das alles erst auf der Zugfahrt nach Hause so richtig realisiert.“

Wie hat sich ihr Leben seitdem verändert? Ihr Gesicht sei bekannter geworden, über Osnabrück hinaus, sagt sie. Auf ihren Social-Media-Kanälen hat sie mehr als 2000 Follower hinzugewonnen, vor allem aus der arabischen Welt. Glückwünsche kamen auch per E-Mail und Telefon – von Jugendlichen, Politikern und Nachbarn. Dua Zeitun ist gut vernetzt, auch in der Kirche und in der jüdischen Gemeinde. Mit einer halben Stelle ist sie Referentin in der Katholischen Landvolkhochschule Oesede. Über die interreligiösen Kontakte sagt sie: „Wir stehen hinter dem, was wir tun und zollen uns auch hinter verschlossenen Türen Respekt.“

Bundespräsident
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat Dua Zeitun den Verdienstorden im Dezember 2025 verliehen. Foto: privat

Das Bundesverdienstkreuz ist für sie Motivation und zugleich eine Würdigung all der Menschen und Momente, „die uns geprägt haben“. Ihr Weg als Tochter eines gebürtigen Syrers, in Aachen geboren, sei nicht immer leicht gewesen, sagte sie in ihrer Rede. Die zweite Generation von Migrantinnen und Migranten habe oft zwischen zwei Kulturen gestanden. Auch sie habe sich damals gefragt: Wer bin ich? Und vor allem: Wo gehöre ich hin? „In diesen Momenten gab es niemanden, der mir Antworten, Orientierung oder Begleitung geben konnte.“

Aber dann habe sie selbst eine Entscheidung getroffen: „Ich bin hier in Deutschland zu Hause, Deutschland ist meine Heimat, ich bin deutsche Muslima, das ist meine Identität. Von diesem Moment an war ich bereit, Verantwortung zu übernehmen für meine Familie, aber auch für unsere Gesellschaft. Ich wollte mich einsetzen für ein sicheres Land, das Vielfalt lebt und stärkt.“

Die neuen MUJOS-Vereinsräume in Osnabrück, zentral in der Großen Straße gelegen, sind ein beliebter Anlaufpunkt. „Du bist eine von uns“, sagen die Jugendlichen oft zu Dua Zeitun. Heißt: Sie zeigen sich vor ihr so, wie sie sind, vertrauen ihr persönliche Probleme an, erzählen von Konflikten und Erfahrungen mit Rassismus. Dua Zeitun erklärt: „Das ist wichtig für mich, um ihnen diesen Freiraum auch zu geben.“

Anja Sabel

Der Verdienstorden, umgangssprachlich auch als Bundesverdienstkreuz bezeichnet, ist die höchste Anerkennung, die die Bundesrepublik Deutschland für Verdienste um das Gemeinwohl ausspricht. Er wird für politische, wirtschaftlich-soziale und geistige Leistungen verliehen.