Traditionelle Veranstaltung im Bremer Rathaus

Religionen beten für den Frieden

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altes und neues Rathaus in Bremen
Nachweis

Foto: Manisha/Wikipedia

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Seit 2005 beten Religionsvertreter im Bremer Rathaus immer zum Jahresbeginn um den Frieden in der Welt.

Vertreter der Religionen treffen sich an diesem Sonntag, 18. Januar, in der Oberen Rathaushalle in Bremen zu einem interreligiösen Friedensgebet. Unter dem Motto „Wir beten für den Frieden“ lädt der interreligiöse Arbeitskreis „Religionen beten“ ein. Fragen an den Pastoralreferenten und Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen, Johannes Gebbe. Er moderiert das Friedensgebet.

Herr Gebbe, was ist das Besondere an diesem Friedensgebet?

Es findet seit dem Jahr 2000 jeweils zu Beginn eines neuen Jahres statt. Seit 2005 treffen sich Religionsvertreter im Bremer Rathaus, einem zentalen Ort. Sie kommen in einem weltanschaulich neutralen, aber gleichzeitig öffentlichen Rahmen zusammen. Mit Gebeten oder Texten aus ihren Überlieferungen bitten sie, die Menschen auf den Weg des Friedens zu führen. Das geschieht in gegenseitigem Respekt und Ehrfurcht vor dem, was den anderen heilig ist. 

Was bedeutet ein solches Gebet in diesen außen- und innenpolitisch sehr brisanten Zeiten? 

Es hat eine große Bedeutung, gerade weil es den Religionen vielleicht möglich ist, einen gemeinsamen Impuls zu setzen und zu betonen, wie wichtig es ist, sich für Frieden einzusetzen in unserer Welt. Die Kriege und Konflikte, die es gibt, sind in der Regel nicht religiös bedingt, aber es ist ein starkes Zeichen, wenn Religionsvertreter ihren Willen bekunden, dort, wo der Friede bedroht ist, selbst Wege des Friedens zu gehen. Das strahlt aus, hoffentlich über Bremen hinaus. Wir veranstalten das Friedensgebet in Kooperation mit dem Senat, das zeigt uns, dass wir auch von Seiten der Kommune, des Staates gewürdigt und wertgeschätzt werden. Wir haben ein gemeinsames Anliegen.

Pastoralreferent Johannes Gebbe
Pastoralreferent Johannes Gebbe moderiert das Friedensgebet der Religionen in Bremen. Foto: Katholischer Gemeindeverband Bremen/Christof Haverkamp

Was können denn Gebete bewirken?

Ich glaube, eine ganze Menge, weil sie Menschen ausrichten auf den gemeinsamen Einsatz für Frieden. Es geht nicht um ein Wunderwerk, sondern darum, eine Haltung einzuüben, die ausdrückt: Da gibt es etwas, das uns verbindet – der Wunsch und die Sehnsucht nach Frieden und das Bemühen, im Umgang miteinander diesen Frieden auch sichtbar zu machen, wegzukommen von Konkurrenz und Vormachtstreben.

Wie verstehen sich die Religionsgemeinschaften in Bremen?

Ich würde sagen, wir haben ein gutes Verhältnis. Es ist eine kleine Gruppe an Religionsvertretern, die über die Jahre zusammengewachsen ist, und es gibt den Wunsch, sich miteinander auf den Weg zu machen, im Kontakt zu sein, gemeinsame Anliegen voranzubringen, aber auch das, was in der eigenen Religion bedrückt und wichtig ist, nicht auszuklammern. Wir weichen schwierigen Fragen nicht aus.  

Wie läuft das Friedensgebet der Religionen genau ab?

Es ist kein gemeinsames Gebet und dennoch ein Miteinander. Nach einem Grußwort von Bürgermeister Andreas Bovenschulte tragen die Vertreter der Religionsgemeinschaften nacheinander in ihrer jeweils eigenen Tradition Gebete oder Beiträge für den Frieden in der Welt vor. Menschen mit einer anderen Religion sollen schweigend, schauend, zuhörend und in Ehrfurcht erleben, wie unterschiedlich andere beten. Teilnehmende Religionsgemeinschaften sind Alevitentum, Bahai-Religion, Buddhismus, Christentum, Hinduismus, Islam, Judentum und Yesidentum. 

Anja Sabel